Mittwoch, 21. März 2012

NUR NET HUDELN ...



Der erste Frühlingstag im Garten. Das Wetter viel zu schön zum Drinnenbleiben. Wir haben Sträucher geschnitten, draußen den ersten Kaffee getrunken. Die erste Kröte im Teich begrüßt. Auf dem Bauch liegend Leberblümchen in violett, rosa und weiß fotografiert. Die Nasen in die Sonne gehalten und gegen Abend ein Glas Cava im Liegestuhl getrunken. Erst als sich leichter Hunger meldete, merkten wir, dass wir die Zeit völlig übersehen hatten.



Für das geplante Abendessen würden wir doch einige Zeit zum Kochen brauchen. Nur so kann ich es mir erklären, dass ich etwas "hudelte" und gleich bei der ersten Zwiebel mit meinem Lieblingsmesser abrutschte. Die nächsten zehn Minuten war ich damit beschäftigt, mich zu verarzten und den Mitkoch zu schimpfen, weil er das Messer nicht ordentlich geschliffen hatte (Es ist schließlich nachgewiesen, dass die meisten Messerunfälle mit stumpfen und nicht mit scharfen Messern passieren). Der wiederum machte sich Sorgen, abends zu verhungern, weil die Küchenschabe doch stark gehandicapt war.

Da wir beide aber schon halbwegs routiniert in der Küche sind, schafften wir es doch, innerhalb einer Stunde ein sehr feines Essen fertigzustellen. Für die tapfere Küchenschabe mit dem schmerzenden Finger gab es dazu einen extrafeinen Brunello, Poggio Antico 2004 - auch gegen den Blutverlust ...

Kartoffellaibchen mit geröstetem Lammfleisch
Zutaten für 4 Personen

Für die Tascherl:
ca. 700 g Kartoffeln, festkochend
3 EL Maizena
1 Ei
etwas Salz

Für die Füllung (das ist die doppelte Menge der benötigten Fülle, der Rest wird eingefroren):
50 g Butter
4 EL Olivenöl
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
2 TL gemahlener Zimt
1/2 TL Pfeffer aus der Mühle
1/4 TL geriebene Muskatnuss
die Samen von 6 grünen Kardamomkapseln, fein gemahlen
6 Nelken, zu feinem Pulver vermahlen
1/2 TL Chiliflocken
500 g faschiertes Lammfleisch
100 g Pignoli, leicht angeröstet
2 EL Tomatenmark
Salz
4 EL Wasser (oder Suppe)
Erdnussöl zum Braten
1 Bund frische glatte Petersilie

griechisches Joghurt, angemacht mit gehackter Minze und Salz

Für den Teig die Kartoffeln ungeschält in Salzwasser garen. Zehn Minuten auskühlen lassen, schälen und noch warm passieren. Mit Mehl, Ei und Salz zu einem Teig verarbeiten.

Zwiebeln in Butter und Olivenöl bei starker Hitze braten bis sie glasig sind und etwas Farbe genommen haben. Alle Gewürze zugeben und etwa eine Minute mitgaren. Das Lammfleisch einrühren. Das Rühren ein bis zwei Minuten unterbrechen, damit sich das Fleisch am Boden der Pfanne etwas ansetzen kann, dadurch wird der Geschmack intensiver. Insgesamt sollte das Fleisch in ungefähr acht Minuten krümelig und schön braun gebraten sein. Zum Schluss Pignoli, Tomatenmark, Wasser oder Suppe, Chili und Petersilie einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und abkühlen lassen.



Den Kartoffelteig in vier gleich große Kugeln teilen, auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu großen Scheiben (Durchmesser ungefähr 18 Zentimeter) auswalzen. Zwei gehäufte Esslöffel von der Füllung in die Mitte geben und die Füllung ganz mit dem Teig umhüllen. Flachdrücken und die Außenseite der Laibchen glätten. Das Laibchen sollte dann ungefähr zwei Zentimeter hoch sein und einen Durchmesser von ungefähr zwölf Zentimetern haben. Ausreichend bemehlen, damit sie nirgends ankleben.



In einer großen Pfanne reichlich Öl stark erhitzen. Die Laibchen vorsichtig ins Öl geben und nicht mehr berühren, bis sie auf der Unterseite goldbraun sind. Vorsichtig umdrehen, auf der anderen Seite ebenfalls goldbraun braten.
Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Mit Joghurt-Minze-Dip servieren.

Quelle: Casa Moro - Spanische und orientalische Küche

Da lag ich wirklich flach am Boden, um die Hummel in der Krokusblüte zu erwischen ;-)

Kommentare:

  1. Ich seh euch direkt vor mir, die Freuden des Gartens geniessend.
    Diese Erdäpfelkrapferl sind phantastisch. Ich finde es ja immer wieder erstaunkich, dass nicht nur wir Oberösterreicher die Kartoffeln so lieben, sondern auch die Menschen im Orient.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. natürlich haben wir nur zwei der vier Krapferl essen können, die anderen zwei wurden eingefroren - vielleicht wird das mal ein orientalisches Gröstl :-)

      Löschen
  2. Die Österreicher könnens halt!!! - Sieht das wieder "guad" aus.
    Die Sache mit dem Brunello gegen Schmerzen und den Blutverlust werd ich mir merken - alles auch noch ohne Arzt-Rezept!!!
    LG Doris

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hat gut geholfen, der Brunello - natürlich muss so eine Rotwein-Therapie mehrere Tage durchgehalten werden ;-)

      Löschen
    2. Sollte man ihn nicht prophylaktisch gleich jeden Tag nehmen? - aber natürlich nur in homöopathischer Dosis!!!

      Löschen
  3. Immer wieder so schöne Rezepte und auch noch gemeistert mit so einer schweren Verwundung....Kompliment. Hoffentlich ist der Keller gut gefüllt, ich hab' mir sagen lassen es dauert sehr lange bis solche Wunden ausheilen.
    Gute Besserung :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. der Keller ist gut gefüllt, keine Sorge ;-)

      Löschen
  4. So eine Heilung kann laaaang dauern! Frag mal Männer, die wissen, wie man richtig leidet! :D

    Schönes Rezept. Dein Faschiertes klau ich direkt, weil ich wollte nächste Woche eh einmal türkische Pizza machen, da passen diese Gewürze sicher alle sehr gut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Klau ruhig, mach ich ja auch oft bei dir :-)!

      Löschen
  5. Eine tolle Idee! Und die Gewürze! Jetzt wüsste ich direkt was ich mit der letzten Portion Bio-Lammhackfleisch im Kühlschrank machen könnte...der gute Tropfen Rotwein dazu würde mir auch gut dazu schmecken auch ohne Messerpanne;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Rotwein schmeckt ohne Messerpanne definitiv noch besser, aber wer weiß, ob ich sonst den feinen Brunello bekommen hätte ;-)

      Löschen
  6. Nicht nur stumpfe Messer sind gefährlich, auch sehr scharfe Vierkantreiben. Mit meiner neuen hab ich mich in kürzester Zeit an so vielen Fingern geschnitten, dass ich schon Angst hatte, kochunfähig zu sein. Super Fotos hast du gemacht, das herumrobben am Bauch hat sich gelohnt. Und diese Kartoffellaibchen kann ich förmlich riechen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Ellja,
      Mein Mitkoch hat sich mal beim Pilzschneiden mit der Mandoline den halben Finger weggehobelt, das war vielleicht eine Sauerei :-) - ("Ich brauch doch keinen Fingerschutz ...")

      Löschen
  7. ja, immer wenn man es nicht gebrauchen kann, kommen die Verletzungen, wünsche Dir schnellen Heilungsverlauf,

    Deine Kartoffel - Laibchen sehen so kööööstlich aus, tolle Fotos
    auch vom Hummelchen

    lieben Gruß
    Gaby

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. danke, liebe Gaby. Zumindest kochen kann ich schon wieder fast ohne Beeinträchtigung. Zur Sicherheit setze ich allerdings die Rotweinkur noch fort ;-)

      Löschen
  8. Sind die "festkochenden" Erdäpfel für den Teig ein Schreibfehler?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Anonym,
      bei uns in Oberösterreich sagt man zu Erdäpfeln, die beim Kochen nicht zerfallen "festkochend", auch wenn es grammatikalisch nicht ganz stimmen mag ;-)

      Löschen
    2. Hi,
      dachte nur, dass man für Teig immer mehlige Erdäpfel nimmt und keine festkochenden (=speckige)...
      Hab's noch nie mit speckigen probiert.
      Btw, tolles blog, ich komme mit dem nachkochen gar nicht nach :)

      Löschen
    3. Schön, dass dir mein Blog gefällt. Vor allem, dass du die Sachen nicht nur liest, sondern auch nachkochst finde ich sehr erfreulich :-)

      Löschen
  9. Diese tollen Knollen fehlen mir hier in Salzburg jetzt einfach so sehr seit dem Umzug... das wollen sie nicht verstehen die Salzburger, dass es nichts Besseres gibt als an tollen Erdapfel :-)

    Alles Gute für den Finger!!

    Himbeere

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Erdäpfel sind was wunderbares, da hast du völlig recht. Dem Finger geht´s schon besser, danke (muss die Rotweintherapie gewesen sein, vermute ich).

      Löschen