Montag, 22. Oktober 2012

HASCHEEKNÖDEL UND EIN SHITSTORM

Die ersten Hascheeknödel für die jungen Damen riefen einen Sturm der Entrüstung und sogar Beschimpfungen hervor.
Wobei "ihr könnt ja nicht kochen" und "die von der Oma schmecken ganz anders" noch die harmlosesten Vorwürfe waren. Und ... sie hatten ja nicht ganz unrecht - irgendwie schmeckten sie anders, einfach nicht so, wie sie hätten schmecken sollen.

Schuld ist unser Plachutta-Kochbuch. Eine der Bibeln im Haushalt, wenn es um österreichische Küche geht (neben dem Maier-Bruck und dem Ruhm-Kochbuch). Das Buch sieht dementsprechend mitgenommen aus und hat sich noch bei jedem Rezept bewährt (Mit den Rindsrouladen aus diesem Buch hat beispielsweise der Mitkoch seine Schwiegermutter eingekocht).
Und in diesem Kochbuch steht zum Thema Hascheeknödel: gekochtes Rindfleisch, faschiert. Das ergab mit den anderen Zutaten eine bräunliche, vielleicht ein bisschen zu trockene, aber keineswegs unangenehm schmeckende Füllung. Aber bräunlich eben. Die jungen Damen: "Die Füllung muss rosa sein, und sie schmeckt auch so komisch ..."

Dabei wollten wir nur perfekt sein. Wir wussten wohl, dass in den Hascheeknödeln unserer Kindheit sicher kein gekochtes Rindfleisch, sondern Wurstresterl und Geselchtes waren. Aber wenn's der Plachutta sagt, dann kann es doch eigentlich nur eine Verbesserung sein ...

Na ja, die ersten Hascheeknödel waren also kein voller Erfolg. Recherchen in unseren Familien ergaben: unbedingt Geselchtes, eventuell Wurstresterl.
Vielleicht macht man Hascheeknödel in Wien mit gekochtem Rindfleisch, hier bei uns muss es Geselchtes sein. Also kauften wir welches, kochten es und faschierten es mit etwas Schinken vom Vortag - ein voller Erfolg. Der Erdäpfelteig für die Knödel war trotzdem vom Plachutta, genauso wie das Sauerkraut.


Hascheeknödel mit Sauerkraut
für 4 Personen

Füllung:
 500 g gekochtes Geselchtes und Schinkenresterl, fein faschiert
1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Butterschmalz
2 Eier
Petersilie gehackt
Majoran gehackt
Salz, Pfeffer

Teig:
750 g am Vortag gekochte, mehlige Erdäpfel
300 g griffiges Weizenmehl, Typ 480
75 g Weizengrieß
4 Eier
Salz, Pfeffer

Sauerkraut:
500 g Sauerkraut (Küchenschabe: Bio-Kistl)
2 EL Schweineschmalz
50 g Bauchspeck in Würferl geschnitten
4 Wacholderbeeren
einige Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
Salz
2 große Schöpfer geselchte Suppe

Die Zwiebel und den Knoblauch in Butterschmalz glasig dünsten. Mit dem Faschierten, den Kräutern, Salz, Pfeffer und den Eiern mischen. Eine halbe Stunde rasten lassen. Daraus 16 kleine Bällchen formen.
Die Erdäpfel passieren und mit den restlichen Zutaten mischen. Eine halbe Stunde rasten lassen.
In 16 Teile teilen. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche runde Fladen formen und in jede Flade ein Fleischbällchen legen. Gut verschließen und schöne runde Knödel machen. In Salzwasser sechs Minuten leicht köcheln, weiter sechs Minuten darin ziehen lassen.


Das Sauerkraut in kaltem Wasser spülen, etwas abtropfen lassen. Bauchspeck in Schweineschmalz goldbraun rösten. Mit Suppe aufgießen, Sauerkraut und Gewürze zugeben und eine dreiviertel Stunde auf kleiner Flamme köcheln. Abschmecken.

Diesmal war alles richtig. Die jungen Damen sprachen ein Lob aus "schmeckt fast wie bei der Oma", der gute Ruf unserer Küche war somit wiederhergestellt.





Kommentare:

  1. Das hab ich echt noch nie gehört, dass man die Füllung für Erdäpfelknödel auch mit gekochtem Rindfleisch machen kann.
    Essen die jungen Damen erst kurz bei euch, dass denen entgangen ist, dass ihr sogar ausgezeichnet kochen könnt? Zumindest für mich schaut das so aus.

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  2. Das steht aber wirklich so im Plachutta!
    Nein, natürlich essen die jungen Damen schon länger bei uns - aber sie haben eine Riesengaudi, wenn mal was nicht so ist, wie es ihrer Meinung nach sein sollte -das wird dann wochenlang und immer wieder besprochen :-))

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  3. Knödelzeugs... jetzt muss ich mich dann doch auch mal dahinter klemmen. Echt, ich hab so einen Horror davor. Wenn ich mir schon nur vorstelle, die Hackfleischknödel würden im Topf aufgehen...! Was das für eine Sauerei gäbe ;-)

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    1. Ach Wildhendl, ich hab mich auch jahrelang vor Knödeln gedrückt, weil ich immer Angst hatte, dass die aufreißen - völlig unbegründet, wenn das Teigrezept stimmt. Dieses ist deppensicher, das heißt, es gelingt mir jedes Mal ;-)
      Du hast es ja leicht, du kommst aus einem knödellosen Land, aber hierzulande sollte man das schon können!

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  4. Fleischknödel sagt meine Schwiegermum dazu. Gibt's meist nach einem Wochenende der Offenen Kellertür, wenn genügend Restln über sind. Ich mag sie sehr, aber auch nie selbst probiert. Wenn, dann bin ich da ganz Kärntnerin und pack die Restln lieber in Nudel. Mmmmmhhhh Fleischnudel mit Grammelschmalz und Sauerkraut. Auch so fein!

    Kann mir die Plachuttavariante irgendwie auch nicht so vorstelln. Klingt nach verschlimmbessert. Für den Gschmack brauchts da einfach was Gselchtes!

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    1. ich musste halt extra Geselchtes kochen, so viel Restln haben wir nie vorrätig!

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  5. Sauerkraut sowieso IMMER und die Knödel sind in ihrer Aufwendigkeit ein Sonntagsessen. Es sei denn, man wurschtelt zu zweit. Aber da finde ich bei uns keine weiteren Freiwilligen. Ein sehr schönes Gericht!

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    1. Unser Sonntagsessen war aufwändiger - das kommt noch ;-)

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  6. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie gerne ich da jetzt reinbeissen würde, aber die beiden letzten Wochen (schön wars!) haben Spuren hinterlassen, also lass ich für den Moment mal Knödel Knödel sein ;-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Freut mich, dass es euch in Österreich gefallen hat :-)
      Hast du denn als Schweizer schon mal Knödel gekocht?

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    2. :-) selbst geknödelt hab ich (noch) nicht bis jetzt, aber dank Deiner Anleitung und Ermunterung wird auch dieser Fehler bestimmt einmal der Vergangenheit angehören ;-)

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  7. Die sehen sehr gut aus.
    Die Hascheeknödel meiner Mutter enthielten:
    gekochtes Rindfleisch, gebratenes Schweinernes, gekochtes Geselchtes.Nur Rindfleisch ist eindeutig zu trocken.
    Manche Leute geben auch etwas Braunschweiger rein. Ghack-Knödl eignen sich nicht für dogmatische Diskussionen. Saft von echtem Gulasch dazu ist für mich das i-Tüpferl.

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    1. Ich trau mich nicht, dir zu sagen, was für mich das i-Tüpferl zum Hascheeknödel ist (erst nach den Fotoaufnahmen auf dem Teller) :-)

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    2. Also Ziii, nein wirklich, das dann doch nicht (das darf höchstens manchmal zu Steak und Pommes)!

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    3. Ok, ich tausche meine Geheimzutat gegen Dein i-Tüpfelchen!? Du zuerst ;-)

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    4. Beim Stierln nach dem ultimativen G'hackknödelrezept im Internet habe ich folgenden Satz gefunden: "Mein Sohn braucht dazu immer Gulaschsaft, meine Schwiegertochter nimmt Maggi." Ob das ein Hinweis ist? ;-))))

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  8. Meine österreichische Mutter nahm auch gemischte Fleischreste, und dabei belasse ich es auch. Am liebsten aber sind uns die übrig gebliebenen kalten Fleischknödel, in Scheiben geschnitten und in Butterschmalz gebräunt.
    Es geht halt nix über so richtig guate Rammerl.

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    1. Das klingt sehr gut, leider ist uns nix übrig geblieben ;-)

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  9. Habe sehr gelacht über das 'ihr könnt ja nicht kochen'.

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    1. Hallo Beate, haben die junge Damen aber wirklich gesagt, ganz im Ernst!

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  10. Get it right, man!
    Notfalls kann ich dir gern meine Adresse geben, DHL-Lieferung zahle ich gern selber.

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    1. Soll ich einen Knödel-Liefer-Service aufziehen? Du wärst meine erste Kundschaft, also her mit der Adresse :-)!

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  11. Meckern auf hohem Niveau, das kenn ich aus unserer wöchentlichen Kochgruppe nur zu gut.

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  12. Nur Rindfleischfülle hab ich auch noch nie gehört, wäre zu Omazeiten zu teuer gewesen... Meine Omama (aus OÖ gebürtig) war eine begnadete Köchin, bei ihr hießen sie "Hackerknödel", kennt wer den Ausdruck? Was genau hineinkam, weiß keiner mehr, eher wenig Geselchtes und mehr Fleischreste.

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    1. vielleicht hat die Frau Ziii ja recht mit ihrem zachen-Rindfleisch-Verdacht ;-)?

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  13. Die haben recht, Küchenschabe! Ohne Wurschtrestln und Geselchtem keine Hascheeknödel, so wie bei der Fleckerlspeis'. Meine Oma ist die Meisterin der Hascheeknödel. Ich esse dort nix anderes. Ich habe mir auch schon das Rezept gesichert, aber ob ich es je schaffe so einen Fluffyerdäpfelteig hinzubekommen, wage ich zu bezweifeln. Und bei der Fülle hat meine Oma eine Geheimzutat, die ich aber jetzt nicht verrate, denn ich will die Hascheeknödel von meiner Oma auch noch bloggen. Ich kann nur sagen, dass sich aus dem Knödel meiner Oma beim Aufstechen ein fetter, rötlicher Saft ergießt und die Zutat mit ihrer Herkunft zu tun hat. Rätselrallye! Wie auch immer. Ich denke, dass in Oberösterreich in jeder Familie ein eigenes Rezept existert, was die Zusammenstellung der Fülle eines Hascheeknödels betrifft. DEN Hascheeknödel gibt es also gar nicht. Aber eines weiß ich sicher, gekochtes Rindfleisch solo kommt da nie und nimmer rein. Das kann nur ein Wiener glauben. Wie konntest Du Dich nur so in die Irre leiten lassen? Meine Theorie ist die, dass ein Haschee einfach faschierte Fleisch- und Wurstresteln sind. Je nach Vorlieben der Familie ergeben sich daraus unterschiedliche Füllen eines Hascheeknödels. In Oberösterreich eben oftmals mit Geselchtem. Und der Herr Plachutta hat halt meistens ein zaches Rindfleisch zu Hause. (Tschuldigung, Herr Plachutta, der Witz hat mir das jetzt abverlangt. Ich habe schon sehr gutes Rindfleisch bei Ihnen gegessen). Lieben Gruß von Frau Ziii

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    1. Ich hab auch schon gutes Rindfleisch dort gegessen, Ziii. Aber auch eine mäßig gute Schnittlauchsauce und überhaupt vielleicht ein bisserl überschätzt das Lokal, meinst nicht?
      Wann kommt denn dein Hascheeknödlgeheimrezept? Mit Paprika? Oder was? Mach es doch nicht so spannend!

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  14. Meine aus der Wachau stammende Eferdinger Schwiegermutter hat die G'hackknödel aus gemischtem Faschierten und Grammeln, ordentlich mit Paprika und Majoran gewürzt, gemacht. Beim Aufschneiden des Knödels rann eine feine Spur des orangefarbenen Fettes aus, sehr appetitlich, sehr saftig. Ein Gedicht.

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  15. Sorry, Frau Ziii! Habe meinen Kommentar geschrieben und erst dann Deinen gelesen!

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    1. Aha, also Paprika und noch eine Geheimzutat bei der Frau Ziii ;-)
      Gut, dass jetzt die kalte Jahreszeit beginnt, da kann man knödelmäßig ziemlich experimentieren!

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  16. Eva, macht nix, ist knapp, aber eh nicht ganz ;-)

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  17. wow, die Klöße sehen Klasse aus :-)

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  18. Excelente receta aquí le llamamos papas rellenas están exquisitas y muy lindas me encanta,abrazos y abrazos.

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  19. für diese Knödel würde Dir mein Mann glatt einen Heiratsantrag machen - glücklicherweise liest er keine Blogs ;-)

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