Mittwoch, 19. Februar 2014

ERNTEZEIT ODER: VON FINGERN UND HÄNDEN

 Achtung - dies wird ein ziemlich langer Beitrag. Es geht um kandierte Würferl für Kuchen, feine Zitrus-Schoko-Stangerl, Marmelade, Wodka und eine Salatmarinade. Und immer geht es um Buddhas Hand.

Dass unser gärtnerischer Stolz die Zitruspflanzen sind, habe ich schon öfter geschrieben. Im Herbst haben wir sie mit grünen Früchten dran in ihr Winterquartier getragen. Und jetzt, mitten im Februar, erntete ich (ich ernte sie immer, der Mitkoch pflegt sie - sehr praktische Aufgabenteilung).

Fünf große gelbe Früchte von Buddhas Hand und drei Meyer Lemons. Und damit ich die Überschrift erkläre: Meine australische Fingerlimette hat leider ihre größte Frucht noch unreif abgeworfen. Ich hab sie zwar gekostet, aber sie war wirklich noch ungenießbar, also warte ich weiter.

Das kleine Ding in der Mitte ist die leider noch unreife Fingerlimette

Die Meyers bekamen diesmal nur eine Statistenrolle. Viel interessanter und wichtiger war Buddhas Hand für mich. Das ist eine bizarr geformte Zitrusfrucht, die nur aus Schale und Mark besteht - kein bisschen Flüssigkeit in der Frucht.

Die erste überließ ich großzügig dem Zitrusgärtner. Der wollte nämlich unbedingt kandierte Würferl herstellen. Die sollten dann in einen Guglhupf kommen - wir schätzen Guglhupf am Sonntag als nicht allzu süße Mehlspeise sehr (vielleicht mit einem Gupf Schlagobers dazu). Noch lieber ist er uns mit fruchtiger Einlage, normalerweise Zitronen- oder Orangenschalen, aber wenn wir solche Würferl haben ...

Kandierte Würferl von Buddhas Hand

1 Buddhas Hand, ca. 200 g
600 g Zucker
500 ml Wasser

Die Frucht in kleine Würferl schneiden. Für etwa 40 Minuten in einem großen Topf mit Wasser kochen, dann abseihen. Erneut in den Topf, zusammen mit 500 ml Wasser und 600 g Zucker geben. Solange kochen, bis die Flüssigkeit 110 Grad erreicht hat (sehr hilfreich ist dabei die Verwendung eines Zuckerthermometers).
Nicht entmutigen lassen, denn das dauert seine Zeit, ich schätze mal, mindestens eine halbe Stunde. Um diese Temperatur zu erreichen, muss sehr viel vom Wasser verdunsten. Übrig bleibt ein zäher Sirup, in dem die fast durchsichtigen Würferl schwimmen.

Die Würferl schichtete der Mitkoch in Gläser. Sie kleben da allerdings ziemlich fest aneinander. Beim nächsten Mal würde ich sie zuerst auf Backpapier ausbreiten und trocknen lassen. Momentan schneide ich mir für einen Kuchen einfach immer einen Brocken davon runter und zerhacke ihn mit einem scharfen Messer, das geht schon.

Buddhas-Hand-Marmelade

2 Früchte Buddhas Hand, ca. 150 - 200 g pro Stück
3 Meyer Zitronen
1,250 l Wasser
600 g Zucker
Saft einer halben Zitrone

Die Buddhas Hand zuerst in Streifen und dann in feine Scheibchen schneiden. Die Meyer-Zitronen ebenfalls in dünne Stückchen schneiden. Unschöne Abschnitte der Buddhas Hand und alle Kerne der Meyer in ein Stoffsäckchen geben und fest zubinden. Alles in einen Topf mit der angegebenen Wassermenge geben und etwa 50 Minuten köcheln.

Da ich auch Zitrus-Schoko-Stangerl machen wollte, habe ich eine Buddhas Hand in grobe Streifen geschnitten und mitgekocht. Nach den 50 Minuten diese groben Streifen rausnehmen und auf einen Teller legen. Zucker zufügen und weitere 50 Minuten köcheln, bis die Scheibchen fast durchscheinend sind. Jetzt (wieder mit Zuckerthermometer) die Temperatur auf 105 Grad bringen.

Das dauert wieder einige Zeit. Aber in dieser Zeit riecht es in der Küche so wunderbar, dass man extra dafür Geruchsblogs erfinden müsste. Bei 104 Grad reichte es mir und ich beschloss, dass die Marmelade jetzt fertig sei. Am nächsten Tag, beim Sonntagsfrühstück wurde sie verkostet. Sie schmeckte einfach himmlisch. Ganz leicht bitter, und sehr nach Limette - besser waren auch die feinsten Marmeladen nicht, die ich aus London mitgebracht hatte.


Zitrus-Schoko-Stangerl

1 Buddhas Hand
250 ml Wasser
250 g Zucker
100 g Kuvertüre (K: Felchlin, Arriba, 72%)


Die gekochten, groben Streifen von Buddhas Hand in feinere, mundgerechte Stückerl schneiden. Zucker in Wasser auflösen und aufkochen. Zitrusstücke hineingeben und etwa eine Stunde kochen. Dann vom Herd nehmen und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag wieder aufkochen und so lange kochen, bis die Mischung 112 Grad erreicht hat (Zuckerthermometer).

Die Stückchen auf ein Gitter legen und über Nacht trocknen lassen. Am nächsten Tag die Kuvertüre schmelzen. Die (nicht mehr ganz so klebrigen) Stückchen zu zwei Drittel in die Kuvertüre tauchen und auf Alufolie trocknen lassen.

Falls Kuvertüre übrig bleibt: aufessen! Die Felchlin-Kuvertüre schmeckt wirklich außergewöhnlich gut. Aufmerksam bin ich auf sie durch einen Beitrag von Robert geworden. Allerdings ist es für Österreicherinnen nicht ganz einfach, an sie zu kommen - und billig auch nicht gerade. Versand und Zoll haben in meiner Erinnerung genausoviel gekostet, wie die Schokolade selbst ...


Am nächsten Tag haben wir die Stückchen verkostet: also, ich könnte glatt einen Handel damit aufmachen, man würde sie mir aus der Hand reißen, so gut sind sie - leider hab ja sogar zu wenig Früchte, um unseren eigenen Bedarf zu decken. Nach drei Tagen war kein Stangerl mehr übrig ...

Was könnte man noch mit der Frucht anstellen?

Man könnte die feinen Zesten in seiner Lieblings-Salatmarinade unterbringen. Wir haben unsere Standardmarinade, bestehend aus einem Esslöffel Ahornsirup, 2 Esslöffeln Essig und vier Esslöffeln Öl (Haselnussöl, gemischt mit Olivenöl), sowie einem Teelöffel Salz damit verfeinert und mit Winterportulak serviert.

Außerdem hat der Mitkoch eine halbe Buddahs Hand in Streifen geschnitten und in Wodka eingelegt. Seit zwei Wochen baden die Stücke drin, verkostet wird in vier Wochen - mal sehn, was daraus wird ...








Kommentare:

  1. Ich sitze immer ganz sprachlos vor dem Bildschirm, was manche andere Foodblogger (darunter auch ihr) so alles experimentiert und an Leckereien herstellt.
    Immer wieder ganz großes Kino.

    Deine Zitrus-Schoko-Stangerl hätte ich gerne gekostet!!

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    1. Experimentieren macht uns die allermeiste Freude, so richtig oft finden wir eh nicht die Zeit und Ruhe dafür :-)
      Die Stangerl waren zart schokoladig und zitronig-mürb - aber leider aus, vielleicht nächstes Jahr wieder ...

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  2. Buddhas Hände sehen wirklich bizarr aus. Es wird Zeit, dass wir umziehen, so dass ich endlich auch meine eigene "Plantage" haben kann. Die Marmelade speichere ich mir auf jeden Fall schon einmal. :-)

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    1. die Marmelade kannst du ja auch mit anderen Zitrusfrüchten probieren!

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  3. da bekommt glatt Lust sich auch solch ein Pflänzchen zu bestellen. Aber jetzt muss ich erstmal schauen, dass ich meine Meyerzitrone wieder zum Leben erwecken. Sie hat nämlich alle, aber auch alle Blätter abgeschmissen. Spinnmilben waren da am Werk. Aber da sie noch die Früchte dran behält, gebe ich die Hoffnung nicht auf

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    1. au weh, Spinnmilben sind eh auch die größte Gefahr bei den unseren. Mitkoch-Tipp: Wenn du die Spinnmilben los geworden bist, solltest du die Blätter der Zitruspflanzen alle 14 Tage mit einem verdünnten Meeresalgenextrakt besprühen.

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    2. Oh, Danke für den Tipp. Aber wo bekommt man Meeresalgenextrakt her.

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    3. Geh mal zum gbk-shop.de und such dir dort den Bio NovaAlgaeMix - sowas in der Art nimmt er. Damit kommt man ewig aus!

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  4. Mei, schaut des alles fein aus - aber ich glaub schon langsam die Österreicher sind auf einem Citrus-Trip - die kalabrische 'Ndrangheta hat doch was unters Obst gemischt ;O)
    Gruß Doris

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    1. wären doch alle auf dem Zitrustrip - dann gäb es hier auch mehr Zitrusvielfalt in den Geschäften!

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  5. Ich kann das gar nicht lesen, ohne mich irgendwohin zu beißen.....ich hab doch diese ganzen tollen Zitrusfrüchte nicht......

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  6. Eigene Buddhas Hand! Mein Neid ist dir sicher!
    Und eigenen Winterportulak auch noch?

    Darf ich eine Anmerkung machen? 2 Wochen in Wodka angesetzt kommt mir recht kurz vor. Ich habe Orangen- und Pomeranzenschalen 4 Wochen angesetzt. Schneller geht's mit mehr Vol.Prozent, also mit Weingeist.

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    1. Der Winterportulak war gekauft :-)
      Und die Stückchen bleiben ja noch vier Wochen im Wodka hab ich geschrieben, zwei Wochen sind sie schon drin ...

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    2. Ach so! Das war dann ein Missverständnis. Ich habe gedacht, du verdünnst das noch wie ich mit Zuckersirup und dann kostet ihr vier Wochen nach dem Verdünnen! *klatsch an die Stirn*

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  7. Ach, hätte ich doch ... letzte Woche auf dem Viktualienmarkt zugegriffen, als mir eine Buddhas Hand begegnete! (Übrigens, das als Tipp @Susanne Magentratzerl!) Nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine Zedratzitrone im Gepäck und berechtigte Zweifel, dass ich in nächster Zeit viel zum Zitrusfruchverarbeiten kommen würde ... Jetzt bereue ich das natürlich.
    Aber das Thema erinnert mich wieder daran, dass ich schon längst gemeldet haben wollte, dass ich einen Teil meiner Meyer-Lemon-Schätze nach Deinem wunderbar einfachen Rezept zu köstlichster Marmelade verarbeitet habe - danke dafür!

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    1. bei der Meyer-Lemon-Marmelade beherzige ich beim nächsten Mal den Tipp vom Hiwwelhubber, die Zitronen zuerst in Wasser vorzukochen, damit sie noch weicher werden!

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    2. Meine waren perfekt weich - gabs gar nix dran auszusetzen!

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  8. Hier reicht ein Wort: G R A N D I O S !!! :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy
    PS. Sollte die Fingerlimette dann mal zuviele reife Früchte abwerfen ... Anruf genügt !

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    1. da friert wahrscheinlich eher die Hölle zu, als dass wir mal eine richtige Fingerlimettenernte einfahren - das Bäumchen ist äußerst kapriziös, momentan wirft es ziemlich viele Blätter ab :-(

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  9. Toll, was Ihr mit euren Schätzen gemacht habt! Ich bin zwar nicht so der Fan von kandierten Früchten, aber die (nicht mehr vorhandenen) Stängelchen hätte ich schon mal gekostet ;-)

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    1. die kandierten Würferl, die man im Supermarkt bekommt, mag ich nicht - aber sowas selbst Kandiertes hat schon was :-)

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  10. Sind die toll!!! ich möchte auch so eine Buddhas Hand! Leider hab ich mit Zitruspflanzen nicht so sehr Glück... aber vielleicht probiere ich es doch noch mal.
    Und richtig gute kandierte Früchte liebe ich sehr. Ich bin neidisch gerade :-D

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    1. sie sind auch wirklich nicht leicht zu pflegen, der Winter macht ihnen immer sehr zu schaffen :-(

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  11. Wow - was für eine Frucht! Ich gratuliere zu diesem Erfolg - bei mir wird das mit selbstgezogenen Zitrusfrüchten im Leben nix mehr...

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    1. ich tät sie auch lieber einfach kaufen, die Früchte, aber so spezielle Sachen bekommt man bei uns leider nirgends, vielleicht ändert sich das ja, wenn die Nachfrage immer größer wird ;-)

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  12. Selbstgezogene! Ich bin sprachlos!
    Und so ein Stangerl hätte ich auch gern mal!
    Liebe Grüße!

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    1. ... Küchenschabe schiebt der giftigen Blonden ein paar virtuelle Stangerl rüber ;-)

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  13. ja, zur zeit auf dem markt allerlei aussergewöhnliche agrumen! mir ging letzten freitag ein cedri und eine bergamotte ins netz. cedri gabs als salat mit mönchsbart zu fisch, bergamotte zu tee und g&t.

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    1. echt? Mönchsbart? Ja sag, wo wohnst du denn? Bekomm ich hier so gut wie nie :-(

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  14. das wird in meinem leben nix mehr, dass sich hier in österreich mal was ändert. die hoffnung habe ich aufgegeben. entweder muss man von pontius bis pilatus laufen um halbwegs gute citrusfrüchte zu bekommen und die sind dann auch noch sau teuer. erschwingliche ware ist auf teufel komm raus gespritzt. ich freue mich auf meine eigenen zitronen- und orangenbäumchen die in absehbarer zeit bei mir wieder einziehen werden. lieben dank für den tipp mit dem meeresalgenextrakt. mein citrusbäumchen habe ich früher im prilwasser gebadet - wurzelballen aber abgedeckt, war etwas umständlich hat aber auch geholfen.
    lg
    helika

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