Freitag, 23. März 2012

ALB-TRAUM



Momentan mache ich täglich nach der Arbeit eine Runde durch den Garten. Mit einem ganz bestimmten Ziel: Das Fleckchen, wo sich im Lauf des Jahres die Minze ziemlich breit macht. Im Sommer ist sie mehr oder weniger fast schon Unkraut. Jetzt lauere ich auf die ersten frischen Blättchen. Die brauche ich unbedingt für meinen arabischen Linsensalat.

Im Winter nehme ich zwar tiefgekühlte Vorräte, aber ganz dassselbe wie frisch gepflückte Blättchen ist das nicht.
Und diesen Salat muss ich unbedingt machen, denn Sybille hat mir ein Päckchen Alb-Leisa (schwäbisch für "Linsen") geschickt. Bis jetzt habe ich den Salat immer mit Puy- oder Casteluccio-Linsen gekocht, das wird also diesmal eine Premiere.

Sie sehen ganz entzückend aus, die Kleinen. Sie sind noch kleiner als Puy-Linsen, also wirkliche Winzlinge - ich spiele schon mit dem Gedanken, einfach einige davon im Garten auszusäen ... So feine Linsen haben sich auf jeden Fall die erste frische Minze des Jahres verdient!

Links im Bild die Puy-Linsen, rechts die Alb-Leisa


Wer die Alb-Linse googelt, stößt auf eine Geschichte, die sich wie ein Krimi liest. Diese Linse verschwand in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde im Zuge der Globalisierung - fast unbemerkt vom Konsumenten - durch Linsen aus Amerika, der Türkei oder Indien ersetzt. Sie galt als ausgestorben, wurde dann aber von einem deutschen Ökologie-Berater in der Internet-Datenbank des Wawilow-Institutes in St. Petersburg entdeckt und wieder in Deutschland heimisch gemacht.

Arabischer Linsensalat
für vier Personen

200 g Linsen (Küchenschabe: Alb-Linsen)
2 Knoblauchzehen, sehr fein gehackt
2 EL Zitronensaft
mindestens 6 EL bestes Olivenöl (Küchenschabe: Letizia, Azienda Rollo, Monti Iblei, Sicilia)
2 TL Kreuzkümmel, gemahlen
1 TL Salz (Maldon)
1 gute Messerspitze Chiliflocken
2 EL frische Minze, grob gehackt

Die Linsen mit der vierfachen Menge kalten Wassers, ungesalzen, aufsetzen und ca. 15 bis 20 Minuten köcheln lassen, sie sollten noch etwas Biss haben. Abgießen und unbedingt noch warm mit den übrigen Zutaten vermischen. Mindestens eine Stunde ziehen lassen. Linsen schlucken viel Öl, Salz und Zitrone, also eventuell nachwürzen und wie beim Karottensalat darauf achten, dass nach dem Abschmecken noch genügend Salat übrig bleibt.

Das Arabische und die Alb-Linsen vertragen sich ganz wunderbar - nochmals vielen Dank Sybille für diese Delikatesse!

Quelle: Couscous con amore von Ellen Nierhaus

Kommentare:

  1. So ein schöner Post für die süddeutsche Köstlichkeit. Der Salat gefällt mir außerordentlich gut.(Kreuzkümmel mmhhhm).Jetzt noch ganz ehrlich...bist Du vom Geschmack der Linse auch so begeistert oder sind meine Sinne von Heimatstolz geblendet?
    Das letzte Foto ist ein Traum.
    Liebe Grüße

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    1. Danke :-)
      Sie schmeckt wirklich sehr gut die Kleine, der Salat wurde sofort weggegessen. Ich mach am Wochenende noch eine Blindverkostung mit den Puy-Linsen, um zu testen, wie groß der Unterschied zwischen den Linsen ist!

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    2. Super...da kann ich mir meinen Test sparen. :)

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  2. Das Marketing für diese winzingen Linsen ist jedenfalls genial - die Geschichte erzählt und liest sich einfach gut. Schön, dass es so eine Linsenvielfalt gibt. In meiner Kindheit gab es nur Tellerlinsen und sonst nix. Ich wäre auch neugierig, ob man (im Blindtest) einen wesentlichen Geschmacksunterschied zu z. B. den umbrischen feststellen kann.
    Meine Minze ist dieses Jahr erstmals erfroren (im Topf, im Garten passiert das nicht), habe aber schon neue eingetopft. Der Gärtnerwahn (H nennt mich Maulwurf Pauli) verschont auch Balkongärnter nicht.

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    1. Wie oben gesagt, eine Blindverkostung folgt noch!
      Dieser Winter war ziemlich heimtückisch, zuerst bis in den Jänner relativ milde Temperaturen und dann zwei Wochen mit fast minus 20 Grad. Wir machen uns große Sorgen um unsere Feigenbäumchen und inspizieren sie jeden Tag - bis jetzt tut sich noch gar nix!

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  3. Mir geht es ganz genau wie dir mit der Minze, ich hab eine marokkanische und eine Bergminze und lauere täglich auf neue Blätter :-)
    Sie sind momentan noch winzig, aber bald...

    Ich mag auch orientalische Gerichte sehr gerne, aber die getrocknete Minze geht nicht so an mich.

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    1. Ich hab eine "normale" Pfefferminze, die hab ich für den Linsensalat genommen. Die anderen Sorten (marokkanische Minze, Kärtner Minze usw.) lassen sich noch nicht blicken, ich hoffe, sie haben den Winter überlebt.

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  4. Noch eine Österreicherin, die den Alb-Linsen verfallen ist! :D
    Das Rezept klingt toll. Diese orientalischen Geschmackskombinationen sind ja wirklich genial.

    Ich hab schon verkostet: Die "normalen" Alb-Linsen sind fast genau so wie die französischen Puy-Linsen, die ich sonst immer verwende. Die Späths II sind aber wirklich noch einmal anders.
    Der Turbohausmann hat mir letzens einen Stock Orangenminze mitgebracht, den ich schon auf Balkonien eingepflanzt habe. Meine marokkanische Minze ist wohl hinüber, die macht keinen Mucks. Na ja, kein Wunder bei dem diesjährigen Winter.

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    1. Ich liebe auch die verschiedenen Minzesorten. Jedes Jahr kommen welche dazu, wird auch heuer nicht anders sein. Ich nehme mir immer vor, nicht so viel neue Pflanzerl zu kaufen, aber das wird nie was ;-)

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  5. Rezept ist notiert. Minze kann ich ja glücklicherweise 11 Monate im Jahr ernten. ;-)

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    1. ist das gemein ;-) hier plagt man sich das halbe Jahr mit verlausten Zimmerminzen und Zimmerbasilikums. Ist es wenigstens im Sommer bei euch so heiß, dass man es kaum aushält ;-)??

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  6. ich habe ja gleich die produzenten ums eck und bin total begeistert, dass wir im schwabenland so tolle produkte herstellen… und diese auch österreicher begeistern! ;-)

    werde ich bald nachkochen!

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  7. Da hast du es richtig gut - wir hier müssen die Linsen alle importieren, egal ob wir Casteluccio-, Puy- oder Alb-Linsen wollen!

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  8. die linsensorte kannte ich nicht. den salat merk ich mir vor. meine minze ist leider diesen winter gestorben. habe aber schon wieder neue.

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