Donnerstag, 1. Dezember 2011

Zu viel Gemüse?



Vom Friaul-Ausflug am letzten Wochenende habe ich jede Menge Gemüse mitgebracht. Wenn ich irgendwo einen Gemüsemarkt sehe, kann ich einfach nicht daran vorbeigehen. Ich wandere durch die Reihen mit dem ganzen bunten Obst und Gemüse, stehe im Weg herum und fotografiere. Bestaune die Üppigkeit und Vielfalt. Und ich muss einkaufen: Fenchel, Radicchio, ganz kleine rote Rüben, italienische Erdäpfel, Knoblauch, Zwiebeln, sizilianische Orangen.

Daheim sitze ich dann da, und überlege, was ich mit diesem Überfluss anfangen soll. Schließlich will ich dem Mitkoch beweisen, dass er unrecht hat. Er meint, dass wir sowieso die Hälfte wegschmeißen werden, weil man gar nicht so viel essen kann ...

Radicchio-Gratin mit Fenchel und Lammfleisch
Für 2 Personen

3 kleine Stück Radicchio trevisano
2 Fenchelknollen
2 rote Zwiebeln
2 - 3 Kartoffeln
300 g faschiertes Lammfleisch
Olivenöl
Butter
1 EL Zucker
Salz
Pfeffer
1 EL Tomatenmark
100 ml Suppe
6 grüne Kardamomkapseln
6 Nelken
1 TL gemahlener Zimt
2 getrocknete Vogelaugenchilis
100 g geriebener Parmesan
125 ml Schlagobers
etwas Ziegenfrischkäse
2 Eier



Die Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. In kochendem Wasser ungefähr fünf Minuten blanchieren. Abgießen. Fenchelknollen und Zwiebeln in Streifen schneiden. In einer Pfanne mit etwas Olivenöl und Butter weich und hellbraun dünsten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Radicchio in kurze Stücke schneiden. Zuckern und salzen und in einer kleinen Pfanne mit etwas Butter ebenfalls bräunen. Mit dem Fenchelgemüse mischen.

Das Lammfleisch in einer Butter/Olivenölmischung in einer dritten Pfanne scharf anbraten. Langsam wird es unübersichtlich, weil so vieles gleichzeitig brät. Das macht mich etwas nervös, ich lass es mir vor dem Mitkoch aber nicht anmerken.
Die Samen aus den grünen Kardamomkapseln schälen und gemeinsam mit den Nelken und den Chilis grob mörsern. Mit Zimt und Tomatenmark zum Lammfleisch geben, und das Lammfleisch einige Minuten durchrösten. Mit Suppe aufgießen und noch kurz weiterbraten. Mit Salz abschmecken.

Geschafft – nichts angebrannt, nichts vergessen, jetzt wird es gemütlicher: Eine Auflaufform mit Olivenöl auspinseln. Zuerst die Gemüsemischung hineingeben, dann das Lammfleisch. Die Kartoffelscheiben darüberschlichten. Parmesan mit Ei und Schlagobers verquirlen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Über die Kartoffelscheiben gießen. Ziegenfrischkäseflocken darauf verteilen.

Im vorgeheizten Backrohr bei 200 Grad Ober-/Unterhitze ungefähr 30 Minuten backen. Eventuell noch kurz übergrillen, damit die Kruste schön braun wird. Zum Servieren habe ich noch Blaukrautsprossen aus meinem Biokistl drübergestreut. Dazu gab es einen wunderbar luftigen Rossese di Dolceacqua von Maccario Dringenberg aus San Biagio della Cima in Ligurien (aus der Merum Degubox).

Kommentare:

  1. Aber geh, zuviel Gemüse gibts gar nicht! Außerdem hast du eh schon eine ordentliche Portion verkocht. Da wird der Mitkoch aber schauen ;)

    Liebe Grüße
    Nadja

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  2. Holla! 2 getrocknete Vogelaugenchilis? Sind das nicht die, die mindestens 3 x brennen?

    Gut, dass du mich erinnerst - ich muss morgen zum Naschmarkt und schauen, ob ich auch wieder Trevisano ergattern kann. Der schmeckt echt so toll.

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  3. Irgendwie beneide ich euch Wiener. Friaulausflug! Und zu viel Gemüse! Schönes Essen.

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  4. @ nadja
    und geschmeckt hat´s ihm :-)!

    @ Eline
    naja, wenn du meinst - geschmeckt hat es jedenfalls ganz anders ;-)

    @ Turbohausfrau
    Vogelaugenchilis gehn ja noch. Aber ich hab jetzt daheim meinen ersten, selbst geernteten Bhut Jolokia - um den schleich ich schon einige Tage herum und trau mich dann doch wieder nicht, ihn in einem Essen zu versenken ...

    @ ilse
    Ich. bin. keine. Wienerin!!! Ich bin aus der Provinz und stolz drauf - Oberösterreich, um genauer zu sein :-)

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  5. Das war nicht abwertend gemeint, liebe Küchenschabe, sondern aufwertend! Diese Schichtung mit würzigem Lammfaschierten, Erdäpfeln und Eier-Käseguss mag ich mit Melanzani nicht so gern, aber Trevisiano ist eines meiner liebsten Gemüse.

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  6. @ Eline,
    ich hab es auch überhaupt nicht abwertend verstanden :-), ich meinte damit nur, dass es durch die verwendeten Gewürze und Chilis im Geschmack eher in Richtung orientalisch als griechisch geht.

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  7. Nelken,Chili und Zimt hat eine wunderbare Köchin auf Samos in ihr Moussaka gegeben. Das Essen war wahrscheinlich von der nahen Türkei sehr beeinflusst.

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    1. die griechische küche is ohnehin weitestgehend a abklatsch der türkischen. kein wunder, nach so vielen jahrhunderten unter osmanischer herrschaft.

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  8. wenn ich gutes Gemüse wo registriere kaufe ich auch mehr als ich ursprünglich vorhatte.

    den Raddicchio muss ich auch mal austesten - bin ja GsD sehr neugierig und experimentierfreudig

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  9. @ weltbeobachterin
    jetzt sind bei mir nur mehr die roten rüben übrig, die kommen morgen dran. der radicchio trevisano schmeckt sehr fein, wirst sehn!

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