Samstag, 18. Februar 2012

Kritischer Blick: Ich wollt ich wär ein Huhn, oder doch nicht?



Verunsicherung? Nein, es wäre verlogen, jetzt zu sagen: "Wenn ich das gewusst hätte ...". Denn man weiß es ja. Liest es immer wieder. Oder liest geflissentlich drüber. Weil man es ganz genau dann doch nicht wissen will. Denn das würde bedeuten, man müsste sich umstellen. Und das wäre unbequem, anstrengend, auch teuer.

Dann kauft man eine Zeit lang Bio. Das müsste doch genug sein. Bio klingt beruhigend. Aber das unangenehme Gefühl verfliegt noch nicht ganz. Man kauft sich das Buch "Der große Bio-Schmäh" von Clemens G. Arvay und weiß danach: das unangenehme Gefühl war berechtigt.

Zitate aus dem Buch:
" ...Wenn Sie heute in österreichischen Supermärkten biologisches Hühner- oder Putenfleisch bzw. biologische Eier kaufen, dann nehmen Sie nicht das Produkt eines Bauernhofes mit nach Hause, sondern ein Konzernprodukt, das während der zentral gesteuerten Produktion zwischen Fabriken und Landwirten hin- und hergeschoben worden ist ... Im Supermarktregal ist dann auf dem Fleisch nur mehr der Name des Mastbetriebes angegeben. Die zahlreichen vor- und nachgereihten Stationen werden den Käuferinnen und Käufern vorenthalten ..."

" ... Die Gesetzgebung hat sich für die Lebensqualität der Bio-Tiere nicht sonderlich ins Zeug gelegt. Während man in der konventionellen, also herkömmlichen Eierproduktion sieben Legehennen pro Quadratmeter Stallfläche halten darf, sind es in der kontrollierten biologischen sechs - also genau ein Tier weniger. Bio-Masthühner müssen sich einen Quadratmeter Stallfläche überhaupt zu zehnt teilen  ..."

JA-757, Red-JA-brown und JA-Color-Yield sind die drei Hybridhühnerrassen, die die gesamte Bio-Branche beherrschen. Sie sind die beliebtesten Hybridrassen, weil sie langsamer wachsen als andere Sorten (Und dass nur die weiblichen Küken überleben, die männlichen sofort vergast werden, muss man ohnehin verdrängen).

Zitat: " ... Im Marketing werden den Bio-Hybridhühnern sogar klingende Namen wie etwa 'Schlierbacher Bio-Wildhendl' gegeben. Tatsächlich befindet sich in der Region Schlierbach lediglich die Fabrik mit ihren Kükenfließbändern, in der die Hybrid-Eier bebrütet werden. 'Wildhühner' trifft man seit über viertausend Jahren in der Landwirtschaft grundsätzlich nicht an. Sie leben - wie das Wort schon sagt - in der Wildnis, und zwar in Südostasien ..."

Es ist doch so: Ich habe nicht die Möglichkeit, zu überprüfen, ob das Bio-Huhn aus dem Supermarkt oder vom Fleischhauer auch ein "glückliches", artgerecht gehaltenes Huhn war. Ob es Auslauf und genug Platz zum Scharren hatte. Bio verpflichtet jedenfalls nicht automatisch dazu, dem Huhn auch die Gelegenheit dazu zu geben. Das hab ich jetzt bei Arvay gelesen. Und wichtiger als die Gewissheit, dass das Huhn nur Bio-Futter bekommen hat, ist mir, dass es dem Huhn zeitlebens gut ging.

Für uns Konsumenten ist es verflixt schwer. Viele von uns haben weder die Zeit, noch die Möglichkeit, sich nach Alternativen umsehen, das ist mir klar. Da ist dann ein Bio-Huhn aus dem Supermarkt immer noch viel besser, als ein x-beliebiges Huhn. Denn Bio bedeutet immerhin, dass diese Hühner Antibiotika nicht dauernd und automatisch ins Futter bekommen. Es bedeutet ein Minimum an Platz für jedes Huhn. Und immerhin die theoretische Möglichkeit eines Auslaufs im Freien.

Ich betrachte es als Privileg, dass ich mir die Zeit dafür nehmen kann, mich mit Bio allein nicht zufrieden zu geben: Unsere Eierfrau lässt die Eier bei einem Bauern in der Nähe ausbrüten. Dort wachsen die Wuserl garantiert bio und mit genug Platz auf. Sagt sie. Ganz sicher werden wir erst im Frühling bei einer Recherche vor Ort sein ...

Kommentare:

  1. Zum Schlierbacher Wildhendl muss ich gleich was sagen: Ich hab es schön öfter gekauft, weil es wirklich ein fantastisches Fleisch hat. Und kein Mensch behauptet, dass es sich hier um ein wirkliches Wildhendl handelt, nichtmal die Schlierbacher: http://www.schlierbacher-gefluegel.at/index.php?id=8
    Dort wird gleich eingangs erklärt, warum, nämlich wegen dem dunkleren Fleisch. Ich hab ja das Buch bisher immer noch nicht gelesen, aber eigentlich bekomme ich weniger und weniger Lust dazu, je öfter ich Interpretionen oder Passagen aus diesem Buch lese. Mal ehrlich, für mich klingt jetzt das Beispiel mit dem Schlierbacher Wildhendl schon irgendwie nach manipulative Stimmungsmache!! Und zu den Hendln: mein Onkel war Vogelzüchter, er hatte ein riesen Ariel mit Sing- und Nutzvögel, also vom Papagei bis zum Gansl war alles da, natürlich auch eigene Hendln und Zwerghendln... die hatten ausreichend Auslauf und einen schönen Stall, ganz romantisch mit Stroh ausgelegt und mit Stangen und allem drum und dran. Aber sooft ich da war, wenn ich mitgeholfen haben, haben sich die Hendln auf einen engen Platz zusammengescharrt und haben diese große Fläche gar nicht genutzt. Also bin ich da sehr skeptisch, ob wir Menschen ganz ohne Pathos überhaupt genau beurteilen können, was ein glückliches Hendl so braucht. Ganz sicher braucht es keine Farbstoffe, damit der Dotter gelb wird und auch das sexen ist natürlich nicht ok... aber - und liebe Küchenschabe, du kennst ja meine Meinung eh schon - diese Verunsicherung der Konsumenten mit allen Mitteln, das hängt mir irgendwie zum Hals raus (sorry, emotionales Posting) ;-)))

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    1. Das Buch habe ich auch gelesen und kann nur bestätigen, dass es sehr glaubwürdig geschrieben ist. Wären die Vorwürfe falsch, so hätte sich schon jemand bemüht, das Buch juristisch vom Markt zu bringen. Der Autor ist ja auch ein Experte - als Agrarbiologe weiß der schon, wovon er schreibt.
      Beim Schlierbacher Bio-Wildhendl gibt es übrigens KEINE Recherche-Fehler. Man muss eben das gesamte Kapitel lesen und sollte sich aufgrund von einem zitierten Absatz nicht gleich ein Urteil über ein ganzes Buch erlauben.

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  2. Schoen, dass du auch darueber schreibst. Es kann nie genug sein, bei diesem Thema. Ich habe auch, nachdem ich das Buch gelesen habe, gleich nachgeforscht, wie und wieviel Huehner mein Bio-Bauer haelt.
    Jedem der ein Biohuhn im Supermarkt kauft, sollte bewusst sein, dass dadurch der Druck auf die kleinen Produzenten immer staerker wird in Richtung Industrialisierung und Masse. Dann bleibt das Tierrecht wieder auf der Strecke.
    Bei uns schmort gerade ein Perlhuhn (mit Obers und Totentrompeten, du hast mich gestern inspiriert). Bei diesem Tier weiss ich hundertprozentig, dass es ihm gut gegangen ist.

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  3. Achja weil wir ja letztens auch wg. der Ja natürlich! Bioeier geplaudert hatten: Hier ein Bericht des Biohühnerhofes Lettner aus Klam: http://kurier.at/nachrichten/oberoesterreich/4482851-2000-hennen-legen-woechentlich-10-000-bio-eier.php

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  4. Ellja,
    das mit dem Wildhuhn hat der Autor schlampig recherchiert. Das aendert aber nichts daran, dass er vieles andere sehr akribisch recherchiert hat und viele Denkanstoesse gibt.

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  5. Eline, bei so einem Thema erlaube ich keine schlampige Recherche. Schon gar nicht, wenn es in Buchform den Markt überflutet. Und wer weiß, bei wievielen Beispielen noch ein bissl geschlampt wurde, das ist einfach nicht seriös. (hörst mich schimpfen?? ;-)

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  6. Ellja,
    und wie ich dich hoere! ;-)
    Zum Sozialverhalten der Huehner: es ist ein Riesenunterschied, ob sich die Huehne freiwillig zusammendraengen, oder ob sie dazu gezwungen werden.

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  7. Hallo Mädels,
    ist doch super, wenn über dieses Thema diskutiert wird. Ich finde, dass auch das Bio-Eck ein bisschen mehr Transparenz sehr gut vertragen kann. Wenn das Buch dazu beiträgt, verzeihe ich ihm auch die eine oder andere (mögliche) Ungenauigkeit.

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  8. Gibt es eine seriöse Quelle dafür, wie und woran man genau erkennen kann, ob ein Huhn glücklich war oder nicht? Wieviel Fläche wäre denn nun für ein Hendl tatsächlich glücklichmachend? Gibts da Zahlen dazu?

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  9. Küchenschabe, ja, mehr Transparenz unbedingt, aber nicht um den Preis, dass eine falsche Annahme der Konsumenten durch eine weitere falsche Annahme einfach nur ersetzt wird. Das trägt nur zu weiterer Skepsis bei.

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  10. Ellja,
    schon wieder ich:
    natuerlich gibt es ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse darueber, was fuer das Wohlbefinden von Nutztieren wichtig ist. Aber darum schert man man sich halt umso weniger, je groesser der Produktionsdruck ist. So gibt es Freilandhaltung mit riesigen Grasflaechen, auf die sich kein Huhn hinauswagt, weil es keine straeucher, Hecken gibt, um sich vor Raubvoegeln zu verstecken. Da bleiben die Hendln Instinktiv im Stall. Sobald es im Freien Schutz gibt, gehen sie gerne raus.

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  11. Irgendwo hab ich mal was von 10 m2 pro Hendl gelesen, Eline. Stimmt, das mit den Sträuchern wäre nur logisch. Was mich natürlich noch beschäftigt: Gehen wir mal vom Idealfall aus, dass jeder nur noch Eier von glücklichen Hühnern haben möchte, die normale BioBauernschaft könnte das im jetzigen System ja niemals abdecken. Was wäre dann eurer Meinung nach der gangbare Weg zwischen dem kleinen Bauernhof, der nur ein paar wenige Kunden bedienen kann und einer großen Hühnerfarm?

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  12. ellja,
    viele mittelgrosse Betriebe, die nicht von ihren "Handelspartnern" durch Preisdruck und Produktionszwang gezwungen werden, von 300 Hendln auf 3000 und mehr aufzustocken - mit dem gleichen fiinanziellen Ertrag. Das gab es schon vor einigen Jahren. Diese in langsamer Entwicklung begriffene Struktur wurde aber durch die Konzerne ruiniert. Zentralisierung und Monopolisierung haben den natuerlichen Markt zerstoert. Frag mal die Produzenten, die fuer Supermaerkte arbeiten. Viele waren frueher eigenstaendige Biobauern, die selbst bestimmen konnten, welche Rassen sie zuechten, wie sie ihre Tiere halten. Sie sind Abhaengige geworden, die finanziell nur durchkommen, wenn sie auf hohe Qualitaetsstandards und tiergerechte Haltung weniger Wert legen als sie gerne moechten.

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  13. Ehrlich gesagt fürchte ich, dass das hier quasi eine rein akademische Diskussion bleiben wird. Ich zahle am Markt für ein Freilandhuhn ca. das Dreifache von dem, was ein "normales" Huhn kostet. Das ist ein Luxus, den ich mir z. B. nicht leisten könnte, wenn ich eine vierköpfige Familie durchfüttern müsste.

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    1. ich glaube, dass das Thema inzwischen schon im Mainstream angekommen ist. Die Umsatzsteigerungen bei den Biomarken der großen Handelskonzerne zeigen, dass sich breite Bevölkerungsschichten für Bio interessieren. Da sind sicher auch Menschen darunter, denen das finanziell nicht so leicht fällt.

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    2. Auch fuer Menschen mir sehr wenig Einkommen sind die Kosten fuer Nahrungsmittel das geringste ihrer Probleme: Miete, Heizung sind die wirklichen Problempunkte. Das Argument, dass Fleisch billig sein muss, ist eines, das die Handelskonzerne besonders gerne verwenden. Wer bezahlt dafuer? Die Tiere, die Produzenten, die in eine Spirale von niedrigen Ertraegen und hohen Stueckzahlen geraten. letztlich auch die Supermarktverkaeuferin, deren Gehalt in der spirale nach unten mitgerissen wird. Ein gutes Huhn muss nicht taeglich verfuegbar sein, es koennte auch wieder zu einem begehrten Festtagsgericht werden, ohne dass jemand hungern oder gross auf was verzichten muss.

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  14. Uiuiui, BIO ist für mich schon seit einigen Jahren ein großes Reizthema (werde mich aber bemühen, hier nicht zu schimpfen *vornehm*)

    Mit BIO wird vermittelt, dass man sich selbst und der Umwelt etwas Gutes tut. Viele Konsumenten verlassen sich auf die Kennzeichnung und denken einfach nicht weiter drüber nach. Daher bin ich Dir für Deinen kritischen Blick sehr dankbar!

    Liebe Grüße, Julia

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  15. Ich singe ja ein beständiges Loblied auf den Hühnerbauern m. V. im Blog. Und die Tiere sind nicht Bio, die Zertifizierung könnte er sich gar nicht leisten. Aber sie flitzen auf riesigen Flächen durch die Gegend und freuen sich ihres Lebens. Die Legehennen werden nur zweimal im Jahr geschlachtet, vorher legen sie in aller Ruhe soviel Eier wie sie wollen. Und die Hähne bringen nicht unter 2,5 kg Schlachtgewicht mit, feste Kerle mit muskulösem Fleisch, das nichts für Gebissträger ist.
    All das ist mir dann wichtiger als eine bis zur Unkenntlichkeit verwässerte Zertifizierung.

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    1. Genau darum geht es mir! Ich glaube, ich hab jetzt Bauern gefunden, für die das auch zutrifft. Aber, wie gesagt, Gewissheit bringt mir erst eine Recherche vor Ort, die ich so bald wie möglich machen möchte.

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  16. Diese Diskussion ist die richtige für mich- einfach weil ich mir das Thema gerne von vielen Seiten anschaue.
    Richtig interessant wurde es für mich vor kurzem: Die Familie meines Lebensgefährten hatte bis vor 2 Wochen eine Metzgerei. Nach 150 Jahren war nun Schluss- aus vielerlei Gründen, auch weil die Kunden ausblieben.
    Nun kommen erstaunte ehemalige Kundinnnen, um zu berichten, dass das Fleisch im örtlichen Supermarkt ja wesentlich teurer sei zuvor in der Metzgerei.
    So viel also zum Thema sparen wollen- klappt wohl oft nicht so wie man es sich denkt :-)
    Lg Himbeere

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  17. zum buch: ich "lese" es seit ein paar wochen und habe mich noch nie so lange mit einem so simpel gestrickten buch geplagt, ein paar seiten fehlen mir immer noch. da reden wir dann gerne im april drüber, werte linzerinnen. ich finde es höchst suggestiv und z. t. auch manipulativ. und die kommunikation rundherum auch. da wird auf wallraff gemacht, was das buch nie und nimmer liefern kann. wie gut wäre ein richtiger aufreger gewesen, um in der branche was zu bewegen! aber mit dem buch wurde die chance vertan, das wirklich seriös zu diskutieren. denn seriös finde ich's nicht. selbst bio austria distanziert sich davon (nicht, dass diese vereinigung der weisheit letzter schluss wäre). der werbung vorzuwerfen, dass sie mit idealisierten bildern wirbt - darauf baut das buch auf. ganz was neues. um dann u. a. food-kooperativen als lösung vorzuschlagen - in einer großstadt wie wien. weltfremdheit, schlechten stil und viel zu wenig tiefe und biss, das werfe ich dem buch vor. es ist ärgerlich und schade.

    zu den bedürfnissen von nutztieren: wer sich wirklich dafür interessiert, muss die tagungsbände der freiland-tagung bestellen und lesen (!). das ist für mich die beste zusammenfassung des forschungs- (und praxis-)standes:
    http://www.freiland.or.at/index.php?Wissen_%26_Bildung:Tagungsb%E4nde_%26amp%3B_Studien

    zum preis: mich nervt diese diskussion so unendlich, weil immer wieder "vergessen" wird, dass die zusammensetzung der ernährung ausschlaggebend dafür ist, was sie kostet. eline deutet die richtung an: wenn ein anständig gehaltenes hendl ein festessen (und nicht eine als selbstverständlich hingenommene "magere" alltagssattmachungsmaßnahme) ist, schaut der faktor "preis" völlig anders aus. und in diese verflixten billigstpreise sind ja bittschön die folgekosten dieser art von massentierhaltung und massenernährung nicht einmal eingerechnet.

    bevor ich mich in rage schreibe (seiserschmarrn- oder gleich buchthema, ich weiß, aber mir fehlt die zeit), geh' ich lieber was kochen.

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    1. liebe katha,
      ich möchte sehr gerne im april in wien darüber weiterdiskutieren, weil mir das thema sehr wichtig ist. nur so viel: vielleicht manipulativ, vielleicht suggestiv - ein anstoss allemal. denn die tagungsbände und studien werden nur schwer eine breitere öffentlichkeit erreichen - das täte niemand den ich kenne, lesen, leider. die leute kaufen da schon eher sein buch, das ist einfach geschrieben- und fangen vielleicht mal an, nachzudenken. wieso sollte mit dem buch eine chance vertan worden sein - kann ja jeder noch was zu diesem thema schreiben, wäre sogar wünschenswert - je mehr, desto besser, es ist ein anfang. die fakten, die er recherchiert hat und die ich teilweise schon sehr bemerkenswert finde, können so falsch nicht sein (ich hab noch nix davon gehört, dass er geklagt worden wäre - was die von ihm kritisierten wahrscheinlich sehr gerne machen würden).

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    2. es geht gar nicht drum, ob die fakten stimmen (die stimmen schon, er schreibt ja selbst, dass ein anwalt das manuskript gecheckt hat), sondern welche fakten er nicht nennt, welche verbindungen nicht hergestellt werden, welches gewicht worauf gelegt wird. das verstehe ich unter manipulativ. es gibt nix zu klagen, viele der missstände sind längst bekannt (wenn nicht sogar alle, aber wie gesagt, ich bin noch nicht ganz durch). bloß fehlen relationen und lösungen, die nicht nur für eine elitäre minderheit oder idealistische (natürlich wichtige) basisdemokratieverfechter/innen tauglich sind, sondern tipps, empfehlungen, möglichkeiten, anstöße, vorschläge, wie auf der stelle etwas in andere bahnen gelenkt werden kann, und zwar von (theoretisch) allen. dass ich mal dem pragmatismus das wort reden würde, hätte ich nie gedacht, aber hier vermisse ich ihn wirklich. ich bin in der bio-branche aufgewachsen (ohne dass ich dafür ein verklärtes bild aus der kindheit zeichnen müsste), ich kenne beide thematisierten bio-seiten zumindest so gut, dass ich mir einschätzungen dazu erlaube: sowohl die industrielle als auch die winzig kleine in form z. b. eines csa-betriebes (wie er vom autor als ideal gesehen wird). dazwischen gibt es eine bunte vielfalt, sehr große gute und sehr kleine schlechte betriebe genauso wie umgekehrt, lebensmittel, die man auf direktem wege nicht bekommt und trotzdem nicht darauf verzichten möchte. alle, die mich kennen, wissen, dass das mein thema ist, das thema, um das sich meine gesamte arbeit und mehr dreht. ich glaube nur, dass der bio-landwirtschaft mit diesem buch ein bärendienst erwiesen wird, weil es ihm an substanz und gleichzeitig dem autor an distanz fehlt. deshalb: schade und vertane chance. mir fehlt leider wirklich die zeit, sonst würde ich eine runde weiter ausholen.

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    3. ps: wenn ein buch zu diesem thema gelesen gehört, dann foers "tiere essen". und selbst der geht nicht weit genug. aber es ist so gut geschrieben, dass die message ankommt. und nicht der ärger über das, was fehlt oder bewusst unterschlagen wurde.

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  18. katha,
    beinahe haette ich mich jetzt zu dem von mir verabscheuten "kisskiss" hinreissen lassen, weil du mir so aus der Seele sprichst. Vor allem, was die leistbarkeit betrifft.
    das Buch sehe ich icht ganz so schlecht, aber ich hatte ja keine sehr hohen Erwartungen. Den Anstoss zu einer oesterreichsichen Diskussion finde ich schon mal positiv.
    Aber ich bin milde gestimmt, weil ich gerade sehr gut gegessen und getrunken habe;-)

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  19. ohje, katha, jetzt hast du meine ohnehin schlechte meinung zum buch noch bestätigt. Aber damit ich im April mitschimpfen kann, muss ich mich jetzt auch durch das Buch quälen, so lieb es von eline auch ist, dass sie mir das buch weitergeben will - das weiß ich sehr zu schätzen. Ich habs ja oben schon gesagt, von dem bisschen, was ich jetzt schon gelesen hab, kommt mir das schon recht seltsam vor, billige stimmungsmache in die andere richtung.
    ich bin für viel mehr transparenz, wie küchenschabe schreibt, aber bitte - gerade bei so einem Reizthema darf man sich doch wirklich nicht den kleinsten Fehler erlauben. Das muss alles wirklich peinlichst recherchiert sein, finde ich. Jedenfalls wenn man das Thema wirklich ernst nimmt.

    Die Preisdiskussion kommt immer wieder, weil die Leute Angst um ihr wohlverdientes Gerstel haben und nur für was ausgeben wollen, das entweder sein muss (Heizung, Miete) oder wofür sie eine leidenschaft haben (Reisen, Auto, Essen?). Essen hat aber immer noch den Stellenwert, dass hochwertige Nahrung auch "teuer" ist, und teuer essen eben Luxus ist und keine Selbstverständlichkeit.

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  20. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, sehe ich eigentlich nicht, dass Leute da großartig im Luxus schwelgen würden, nur weil sie billiges Fleisch kaufen. Eline, es ist schon richtig, dass Wohnungskosten enorm gestiegen sind. Und eben genau deswegen wird dann bei variablen Kosten wie eben dem Essen eingespart.
    Meine Putzfrau z. B. kauft ihr Fleisch nicht einmal in Österreich, sondern bringt es von Polen mit, weil es dort noch einmal ein Eck billiger ist. Und ihr Mann, der hier am Bau arbeitet, würde ihr was erzählen, wenn sie ihm nur einmal in der Woche Fleisch vorsetzen würde. Das sind einfach andere Lebensumstände als meine - ich würde meinem Mann was erzählen, wenn er nicht isst, was ich mit Liebe gekocht habe. ;)

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  21. Turbohausfrau,
    bei allem Verstaendnis fuer deine Putzfrau. Ich wuerde nie von ihr verlangen, dass sie so einkauft wie wir. Aber wenn man privilegiert ist, sollte man auch ueber die Zukunft nachdenken, Loesungen suchen, Strategien entwickeln. Und das tun wir hier ja gerade ziemlich intensiv.

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  22. Eline, ja, das stimmt sicher. Ich kenne nur nicht so arg viele privilegierte Leute. Wir haben da anscheinend ein anderes Umfeld. :)

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  23. Wir sollten der Werbung einfach gar nichts mehr glauben, und immer skeptisch sein, wenn Firmen über ihre eigenen Leistungen berichten :-)

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  24. PS: Das Buch habe ich auch gelesen und kann nur bestätigen, dass es sehr glaubwürdig geschrieben ist. Wären die Vorwürfe falsch, so hätte sich schon jemand bemüht, das Buch juristisch vom Markt zu bringen. Der Autor ist ja auch ein Experte - als Agrarbiologe weiß der schon, wovon er schreibt.
    Beim Schlierbacher Bio-Wildhendl gibt es übrigens KEINE Recherche-Fehler. Man muss eben das gesamte Kapitel lesen und sollte sich aufgrund von einem zitierten Absatz nicht gleich ein Urteil über ein ganzes Buch erlauben.

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    1. Das seh ich genauso - wenn er falsch recherchiert hätte, hätte er schon längst jede Menge Klagen am Hals - ich hab aber nix davon gehört!

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  25. Weiss jemand wo man in Wien/Wien-Umgebung bis 100 Km einen Bauern findet wo man "Guten-Gewissens" Geflügel oder Fleisch kaufen kann?
    Wäre für Hinweise sehr dankbar.
    Gerne "schau" ich mir den Hof auch an und berichte dann hier darüber.
    Infos an " albingenser@web.de "

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    1. Lieber Albin,
      in Wien und Umgebung kenn ich mich leider gar nicht aus. Ich leite aber Ihre Anfrage gerne an Katha weiter, die ist sicher genau informiert!

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  26. Hallo Albin,
    es bleibt schwierig, Katha kauft Geflügel selten, und wenn, dann nicht ab Hof, sondern Sonnberg-Biofleisch (bei denn's). Noch ein Tipp von ihr: www.biomaps.at.

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  27. Hallo Küchenschabe - danke für die Mühe! Auch an Katha DANKE!
    lg Albin

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