Montag, 9. Juli 2012

KANINCHEN, KÄTZCHEN UND FUCHS MIT GEIGE

Der Garten des La Subida

Wir haben im Friaul, obwohl es vielleicht den Anschein hat, nicht nur eingekauft, zwischendurch
haben wir auch Weine verkostet und neue Lokale ausprobiert. Die Trattoria Vecchie Province in Mossa haben wir eigentlich nur deshalb besucht, weil einige Berichte uns neugierig gemacht hatten: "Sehr schwer zu finden", "kein Schild am Eingang", "mehrmals erfolglos durch den Ort im Kreis gefahren".
Solche und ähnliche Meldungen haben unseren Jagdinstinkt geweckt. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht schaffen täten. Und sollte sich die Trattoria als uninteressant herausstellen, würden wir eben nur ein Glas Wein trinken und weiterziehen.

Die Suche wurde uns an diesem lauen - nein eher doch heißen - Sommerabend allerdings leicht gemacht. Die Straße war auch ohne Navi leicht zu finden, und dann gingen wir einfach dem Stimmengewirr und dem Gelächter nach. Ein Garten, viele Bäume, eine kleine Wiese mit freilaufenden Kaninchen. Kinder, die diese Kaninchen streichelten und herumtrugen. Rustikale Holzbänke und Tische und jede Menge Einheimische in bester Laune - genau das Richtige für so einen Abend.

Der Garten des Vecchie Province
Wir folgten dem Vorschlag der Kellnerin, uns doch einfach mehrere Gänge kleiner Vorspeisen bringen zu lassen und wurden nicht enttäuscht. Mit einem "Ihr zahlt, wieviel ihr trinkt", wurde uns noch eine etikettenlose Literflasche eisgekühlter Weißwein auf den Tisch gestellt und los ging es:



Tintenfischerl für die Küchenschabe, Krustentier für den Mitkoch



Einziger Fehler unsererseits, der beim nächsten Mal korrigiert wird: Nach einigen Gängen dieser feinen Vorspeisen stoppten wir die Lieferung und bestellten noch Secondi. Das war dann fast nicht mehr zu schaffen und auch bei weitem nicht so gut und fein wie die Vorspeisenhäppchen. Also beim
nächsten Mal: einfach durch die Antipasti essen!

Am nächsten Tag das La Subida. Eigentlich wollten wir dort schon seit Jahren mal essen, immer kam uns etwas dazwischen. Fotos kann ich leider nur wenige anbieten, es wurde einfach zu finster - obwohl ich meine bessere Kamera mitgenommen hatte. Vorspeisen: D´Osvaldo-Schinken und Hühnersalat, dann Tagliatelle mit Tomaten beziehungsweise Ravioli mit Steinpilzfülle und Paprikacreme.

Hühnersalat

Ravioli mit Steinpilzfüllung und Paprikacreme
Gegrillte Kalbsleber und Kalbsstelze mit Kartoffeln und Gemüse. Zwischendurch ein Essigsorbet. Die Nachspeise für den Mitkoch war eine leichte Creme mit Mohn und Erdbeeren, für die Küchenschabe dreierlei Creme Brulee mit Kardamom, Minze und Vanille. Wie war´s? Alles wirklich gut, aber mir hat ein bisschen was gefehlt. Es war teuer, und ich hätte mir bei Vor- und Hauptspeisen etwas mehr Raffinesse erwartet. Hervorragend waren das Essigsorbet (von sehr feinem Geschmack und genau ausbalanciert zwischen Süße und der Säure des Essigs) und die Nachspeisen. Und das Ambiente ist wunderschön:

Man beachte den Geige spielenden, ausgestopften Fuchs ...

... und die Kätzchen aus Bronze


Außerdem haben wir natürlich einige Winzer besucht (und deren Weine verkostet). Unter anderem das Weingut Venchiarezza, dessen Weißweine wir sehr schätzen. Natürlich meinen Cabernet-Franc-Lieferanten, das Weingut Cociancig. Neu hinzugekommen ist die Cantina Zorzon in Brazzano, eine Empfehlung von Alex und Willi.

Cantina Zorzon in Brazzano

Und nicht zu vergessen das Weingut Vie di Romans der Familie Gallo, mit wirklich herausragenden Weißweinen, allerdings auch zu herausragenden Preisen. Zum Schluss wollten wir beim Weingut Tiare Schioppettino einkaufen - der war aber leider ausverkauft. Der neue Jahrgang kommt im Herbst, also wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als heuer noch mal in diese Gegend zu fahren ...

Kommentare:

  1. Beeindruckende Fotos ...Eine Prima Werbung fuer beide Lokale! Alles stimmt bis ins kleinste Detail. Die Entdeckung dieser Perle verdanke ich Twitter (@4titania). Ciao aus Gorizia ;-)

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    1. Hallo 4titania,
      danke für das Lob :-). Aus dem Mund einer Einheimischen freut mich das besonders!

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  2. Genießerurlaub..lasst es Euch gut gehen. :)

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  3. Ich mag diese traditionellen Gastgärten mit schweren Holzbänken auf der Wiese. Und einige kochen nicht nur mehr schwere, traditionelle Kost sondern auch etwas verfeinert, wie diese Trattoria Vecchie Province.
    Wenn ihr wieder mal Schioppettino-Einkaufen fahrt, habe ich einen Essens-Tip fuer euch, in der Nähe von Prepotto. Auf einem Hügel, direkt an der Grenze zu Slowenien mit herrlicher Aussicht und gutem Essen.
    Im La Subida hat sich nach deiner Beschreibung seit den 20 Jahren, in denen ich zum letzten Mal dort war, nichts geändert, nur die Einrichtung.

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    1. Super, Essens-Tipps sind uns hochwillkommen, du hast ja gelesen, dass mein Mitkoch heuer noch mal in diese Gegend möchte!

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  4. Tolle Berichte, auf nach Friaul - ist tatsächlich eine Überlegung wert für den frühen Herbst!! lg Friederike

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    1. also wir sind Oktober/November noch mal dort anzutreffen ;-))

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