Samstag, 29. September 2012

... zurück von der Insel

Am Vormittag noch im Meer herumgeplantscht, am Abend im heimischen Garten voll herbstlich bunter Blätter. Wir sitzen vor unseren kulinarischen Urlaubsmitbringseln. Da sind unter anderem eingelegte Kapernblätter, winzigkleine Linsen, Käse und Honig.

Auf Mykonos gibt es neben unzähligen Souvenir- und Textilgeschäften auch ein paar kleine, sehr schöne Galerien, Läden mit interessantem Kunsthandwerk und einige wirklich ausgezeichnete Restaurants. Wir haben gut, manchmal hervorragend gegessen und wunderschön gewohnt (Adressen ganz unten). Die Menschen waren freundlich und herzlich. Ich habe dutzende Katzen gestreichelt und Pelikane ganz aus der Nähe bestaunt. Wir haben einen Lieblingsstrand (mit Lieblingstaverne) gefunden und sind stundenlang herumgeschnorchelt. Bevor ich mich wieder in den Alltag stürze, möchte ich noch ein paar Urlaubsbilder los werden:

Die Kraken sind echt und hängen dort zum Trocknen, der Wein wird nicht wirklich kiloweise serviert.
Pelikan Petros, das Maskottchen der Insel, mischt sich abends gerne unter die Touristen ...
Einige empfehlenswerte Adressen auf der Insel:
Hotel Theoxenia
Restaurant m-eating
Taverne Kazarma
Restaurant Alegro 

Kikis Taverne am Strand von Agios Sostis ist eine unbedingte Empfehlung. Die Salate sind stets ganz frisch und von herausragender Qualität. Dem Grillmeister kann man über die Schulter blicken, er serviert Fisch, Oktopus und äußerst saftige, dicke Schweinskoteletts. Eine besondere Empfehlung ist der Schokokuchen! Der ausgezeichnete Ruf der Taverne führt allerdings auch in der Nebensaison dazu, dass man bisweilen etwas warten muss, bis man einen Platz unter der schattigen Laube bekommt.

Zum Schluss die Kunst: Bei Lazaros P. Iordanidis in der Delos Street 17 gibt es wunderschöne Schiffe aus Metall (von Pougaridis Panagiotis aus Thessaloniki). Ich konnte nicht widerstehen - ein Exemplar davon schmückt nun unsere Wohnung ...

Montag, 24. September 2012

Auf der Insel ...

Wir machen Urlaub in Griechenland. Die schreibfaule Küchenschabe schickt heute nur ein paar Impressionen von einer griechischen Insel ...

Mittwoch, 19. September 2012

In letzter Sekunde

Ziemlich unaufmerksam. Aber eben einfach viel zu viel um die Ohren. Nur so konnte es passieren, dass ich meine tollen Isabella-Erdbeertrauben zu wenig beachtet habe. Zumindest viel weniger, als das die Amseln getan haben.
Naja, die Trauben sind reif und die Amseln haben sich schon kräftig bedient. Die sind wahrscheinlich vom feinen Erdbeergeschmack genauso begeistert wie wir. Traubengelee ist heuer also nicht, dafür sind es jetzt schon zu wenige. Aber Pizzabrot mit Trauben, Käse, Walnüssen und Schinken, das geht sich noch aus!

Die Hauptarbeit bei diesem Essen ist das Entkernen der Weintrauben. Es kann natürlich jeder kernlose Weintrauben nehmen. Meine haben aber nun mal Kerne, viele große Kerne. Dafür ist ihr Geschmack unübertroffen, während kernlose oft mal nur süß sind und fast keinen Eigengeschmack haben. Also: Entweder gemütlich irgendwohin setzen und diese Arbeit als kontemplativ begreifen, oder nebenbei fernsehen (dabei übersieht man allerdings ab und zu einen Kern).

Pizzabrot mit Weintrauben, Käse, Rosmarin und Nüssen

500 g Weizenmehl, Typ 00
300 ml warmes Wasser
10 g Germ
2 EL Olivenöl
Salz

500 g blaue Weintrauben, halbiert, entkernt
50 g Walnüsse, grob gehackt
200 g Dolcelatte, in dünne Scheiben geschnitten
2 Zweige Rosmarin, abgezupft und gehackt
100 g Rohschinken, zerzupft
Olivenöl
Salz, Pfeffer


Germ im warmen Wasser auflösen. Mehl, Wasser, Olivenöl und Salz in der Küchenmaschine zu einem geschmeidigen Teig verkneten. In einer geölten Schüssel eineinhalb Stunden rasten lassen, zur Halbzeit einmal kurz durchkneten. Rechtzeitig das Backrohr mit Backstein auf 250 Grad vorheizen. Den Teig dritteln. Ein Drittel hebe ich im Kühlschrank als Ansatz für den nächsten Teig auf. Daraus wird dann Pizza oder Fladenbrot.

Die anderen beiden Stücke rolle ich zu länglichen Fladen aus. Die Fladen rasten zugedeckt noch eine halbe Stunde. Mit der Backschaufel hebe ich sie auf den Backstein im vorgeheizten Ofen und backe sie für ungefähr sieben Minuten. Dann erst belege ich die Fladen zuerst mit Dolcelatte, darüber kommen dicht an dicht die Weintrauben, die Nüsse, Rosmarin, Salz und Pfeffer. Bei 230 Grad backe ich die Fladen noch zehn Minuten. Vor dem Servieren belege ich sie mit zerzupftem Rohschinken und beträufle sie mit etwas Olivenöl.

Das ist ein Geschmack: saftig und fruchtig, salzig, nussig - dazwischen ein Hauch von Rosmarin, ganz toll, ein richtiges Herbstgericht! Fast bin ich froh, dass die Amseln den Traubenbestand so dezimiert haben - sonst hätte ich wieder alle zu Gelee verarbeitet. Der Mitkoch serviert dazu einen Schioppettino von Venchiarezza aus Cividale.

Wir reisen in den Süden. Wenn es dort Internet gibt, kommen nächste Woche ein paar Bilder ...

Montag, 17. September 2012

Nockerl einst und jetzt



Früher waren mir Nockerl zuwider. Wenn meine Mutter Eiernockerl und grünen Salat auf den Tisch stellte, freute sich mein Bruder, ich war immer knapp vor der Essensverweigerung. Ich aß dann davon, allerdings "wia a Vogerl" und mit Todesverachtung - sie schmeckten mir einfach nicht.

Eiernockerl mag ich noch immer nicht, und da ich jetzt selbst bestimme, was gekocht wird, gibt's auch keine mehr! Nockerl mit würzigem Käse, in diesem Fall Vorarlberger Bergkäse, die mag ich schon (gab's aber damals nie). Da brauche ich kein Fleisch, nur einen Salat und ein Glas kräftigen Weißwein. Natürlich gehört das nicht unbedingt in die Kategorie "leichte Küche", aber wer will denn schon jeden Tag nur Salatblätter knabbern ... Man braucht ja schließlich Reserven für den nahenden Winter!

Nockerlgratin
Für 3 Personen (oder 2 sehr hungrige)

300 g Weizenmehl glatt, Typ 480
2 Eier
Milch nach Bedarf
Salz
Pfeffer
eine Prise geriebene Muskatnuss

100 g Butter
50 g Mehl
600 ml Milch
Salz, Pfeffer
eine Prise geriebene Muskatnuss
150 g Vorarlberger Bergkäse oder ein anderer, sehr würziger Hartkäse
30 g fein geriebener Parmesan
Butter
Pfeffer

Gut, dass es noch kein Geruchsinternet gibt - er schmeckt super, riecht aber sehr intensiv ...

Eier, Mehl, Milch, Salz, Pfeffer und Muskat zu einem glatten Teig schlagen. Salzwasser aufkochen, Teig mit dem Spätzlehobel ins Wasser drücken. Einige Minuten leise kochen lassen. Die Nockerl sind fertig, wenn sie an die Oberfläche steigen. Abseihen.

Backrohr auf 210 Grad vorheizen. Bergkäse in grobe Späne hobeln. Butter in einer Kasserolle zerlaufen lassen. Das Mehl hineinsieben, verrühren, danach unter ständigem Rühren einen halben Liter Milch zugeben. Mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss würzen. Die Bechamel-Masse kurz aufkochen lassen, bis sie dicker wird. Etwa drei Viertel des Bergkäses und die restliche Milch unterrühren, bis der Käse geschmolzen ist.

Eine Gratinform mit Butter ausfetten und den Boden mit Nockerl auslegen. Darauf abwechselnd Schichten von Bechamelsauce und Nockerl geben, wobei die oberste Schicht aus Sauce bestehen soll. Alles mit dem restlichen Bergkäse und dem Parmesan bestreuen. Im vorgeheizten Ofen ungefähr 25 bis 30 Minuten goldbraun überbacken. Mit grünem Salat und kräftigem Weißwein servieren.

Freitag, 14. September 2012

Feiner Krautstrudel

Da wir Österreicher bei der Geburt schon in Strudelteig eingewickelt werden (sagt Michael), muss ich mich doch zumindest ab und zu an einem Strudel versuchen. Ganz kann seine Behauptung nicht stimmen, meinen ersten Strudelteig hab ich erst vor einigen Monaten gemacht.

Essen tue ich allerdings jede Art von Strudel für mein Leben gern, ob süß oder sauer. Diesmal eine saure Variante, mit einer sehr feinen Butter-Parikasauce dazu. Die kommt von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer. Sie passt sicher auch ausgezeichnet zu Gegrilltem.

Krautstrudel mit Grammeln und Paprikasauce

1 kg Weißkraut
Salz
200 g frischer Rückenspeck
1 große Zwiebel, fein gehackt
1 TL Zucker
1 TL Paprika, edelsüß
Pfeffer und Muskat
250 g Sauerrahm
Suppe

Butter-Paprikasauce:
4 rote, längliche Paprika
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1 kleine, weiße Zwiebel, fein gehackt
120 g Butter
250 ml Suppe
Salz, Pfeffer
1 EL Balsamico-Essig (Küchenschabe: Midolini)

1 Strudelteig nach diesem Rezept

Das Kraut in feine Streifen schneiden. Kräftig salzen und mit den Händen durchkneten. Eine Stunde ziehen lassen. Für die Grammeln den Rückenspeck in Würferl von ungefähr einem halben Zentimeter schneiden. Bei mittlerer Hitze in einem hohen Topf (es spritzt!) langsam auslassen, bis sie goldgelb geworden sind. Abseihen und das Fett aufheben.

Vier Esslöffel vom Fett in einem Topf erhitzen. Die Zwiebel darin andünsten, die Grammeln zufügen, zuckern und mit Paprikapulver bestreuen. Unter Rühren karamelisieren lassen. Das Kraut gut ausdrücken und unterrühren. Ungefähr 20 Minuten weich dünsten, mit Pfeffer und Muskat abschmecken. Das Backrohr auf 200 Grad vorheizen.

Den Teig ausziehen und mit etwas von dem ausgelassenen Fett bepinseln. Die Füllung darauf verteilen, dann den Sauerrahm darüber verstreichen. Den Strudel vorsichtig einrollen und in eine passende Form legen. Mit etwas Suppe bei 200 Grad ungefähr 40 Minuten backen. Ab und zu mit Suppe übergießen.

In der Zwischenzeit die Paprika entkernen und in grobe Stücke schneiden. Die Zwiebel und den Knoblauch in 30 Gramm Butter andünsten. Paprikastücke zufügen und eine halbe Stunde lang weich dünsten, dabei nach und nach die Suppe zugießen. Dann alles fein pürieren und mit der restlichen, kalten Butter cremig aufschlagen. Mit Salz, Pfeffer und Balsamico abschmecken.

Der Strudel hat uns so gut geschmeckt, dass wir den Rest am nächsten Tag noch kalt gegessen haben. Und von der Paprikasauce ist gar nicht übrig geblieben, weil ich davon schon vor dem Essen immer wieder ausgiebig probiert hatte ...

Mittwoch, 12. September 2012

Alles Apfel


Nach dem Fiasko mit meiner Bananen-Maracuja-Tarte flüchtete ich zu einem meiner liebsten und vor allem einfachsten Apfelkuchen.

Frische James-Grieve-Äpfel aus meinem Biokisterl waren der Anstoß für die Suche nach dem zerfledderten Zettel mit dem handgeschriebenen Rezept. Handgeschrieben kann nur bedeuten, dass ich es während einer Kochsendung in der Vor-Internet-Zeit in aller Eile hingekritzelt hatte. Zusätzlich zum Rezept steht da der Vermerk, dass es sich um einen Apfelkuchen aus der Trattoria Montagliari in Panzano handelt. So taufe ich den Kuchen kurzerhand:

Toskanischer Apfelkuchen

ca. 800 g säuerliche Äpfel
Saft einer Zitrone
2 Eier
200 g Backzucker
1 TL Vanillezucker
100 g flüssige Butter
100 g Weizenmehl, glatt, Typ 480
1 Handvoll Rosinen
1 TL Backpulver
100 ml Milch

2 EL Zucker
1 TL Zimt


Die Mengenangaben stimmen wirklich. Fast ein Kilo Äpfel und sehr wenig Teigmasse. Der Kuchen muss relativ lange gebacken werden, um richtig durch zu sein. Auf jeden Fall die Stricknadelprobe machen! Und die Rosinen kann man weglassen, wenn man zu den Rosinenhassern gehört, der Kuchen schmeckt auch ohne sehr gut!

Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Scheibchen schneiden. Sofort mit Zitronensäft beträufeln, damit sie sich nicht verfärben. Alle anderen Zutaten in einer Schüssel miteinander verrühren. Die Äpfel unterheben (die Masse ist ziemlich flüssig). In eine gebutterte, bemehlte (oder bebröselte) Springform (Durchmesser 26 Zentimeter) gießen. Bei 180 Grad ungefähr 60 bis 70 Minuten backen. In der letzten Viertelstunde bestreue ich ihn zusätzlich noch mit einer Zucker-Zimt-Mischung.

Er schmeckt lauwarm am besten, was meiner Ungeduld sehr entgegenkommt. Also nur aus dem Ofen nehmen, eine Viertelstunde warten und dann gleich anschneiden.

Sonntag, 9. September 2012

Du bist für mich das Fleisch neben dem Knochen


So sagen die Chinesen. Sie wollen damit zum Ausdruck bringen, dass jemand für sie besonders wertvoll und liebenswürdig ist. Denn sie sind der Meinung, dass "lebendiges Fleisch", also Muskeln, die ständig bewegt werden, besser schmeckt als Stütz-Muskulatur, etwa Lungenbraten. Meint Simon Xie Hong. Und deshalb habe ich Lammhals gekauft und ihn in einer unglaublich reichhaltigen Sauce stundenlang geschmort: Ingwer, Galgant, Zitronengras, Kurkumawurzel, Kaffir-Limettenblätter, frischer Chili, Korianderwurzel, Zitronengras, Thai-Basilikum. Das sind nur einige der Zutaten. Bei der Menge der jeweiligen Zutat tu ich mir ein bisschen schwer. Hong schreibt, eine genaue Mengenangabe ist schwer möglich, "von allem etwa gleich viel" ist nie verkehrt, aufpassen solle man bei Chili und Ingwer. Meine Angaben sind also nur als Richtwerte gedacht.

Abgesehen von der Anzahl der Zutaten ist das Gericht sehr einfach zu kochen, man muss nur rechtzeitig damit anfangen. Sonst isst man - wie Küchenschabe und Mitkoch - erst um neun Uhr abends. Da wir aber in Kürze in den Süden reisen, müssen wir uns ohnehin den südlichen Gepflogenheiten anpassen. Und den Wein dazu kann man ja schon vorher kosten ...

Geschmortes Lamm, extra-spicy

500 g Lammhals, in 2 cm große Stücke geschnitten
2 Knoblauchzehen
1 Stück frischer Ingwer, 4 cm lang
1 Stück Galgant, 5 cm lang
1 EL Zucker
1 Stück Kurkumawurzel, 4 cm lang (Kurkumapulver geht aber sicher auch, etwa 1/2 TL)
3 Stück Zitronengras, nur das vordere Innere
einige Kaffirlimettenblätter (Küchenschabe: 2 große Blätter von Buddhas Hand)
2 frische Chilis, entkernt (Küchenschabe: 1 Habanero, 1 Jalapeno)
einige Korianderwurzeln (notfalls Korianderstengel)
1 EL weiße Pfefferkörner
1 EL Koriandersamen
Blätter von 1/2 Bund Thai-Basilikum, gehackt
1 EL mildes Currypulver
1 TL Shrimpspaste
4 EL Olivenöl
125 ml Reiswein
Salz
cremige Kokosmilch (Dose nicht schütteln, vorsichtig öffnen, von oben 3 EL abnehmen)
Wasser oder Suppe


Knoblauch, Ingwer, Galgant, Zucker, Kurkumawurzel (oder Kurkumapulver), Zitronengras, Limettenblätter, Chilis, Korianderwurzeln, Shrimpspaste, Pfefferkörner und Koriandersamen zu einer Paste mörsern. Wok mit Olivenöl erhitzen. Die Hälfte der Paste darin auf mittlerer Flamme anrösten (die andere Hälfte habe ich eingefroren). Hitze erhöhen und die Fleischstücke von allen Seiten anbraten. Mit Reiswein ablöschen. Mit so viel Wasser oder Suppe aufgießen, dass das Fleisch bedeckt ist. Kokosmilch, Thai-Basilikum und Currypulver unterrühren, etwas salzen, aufkochen. Jetzt den Deckel auflegen, die Temperatur reduzieren und mindestens zwei Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch weich ist. Ab und zu umrühren.


Ich habe gegen Ende der Kochzeit den Deckel abgenommen und die Sauce etwas eingekocht. Und mit Reis serviert. Es schmeckt sehr fein und würzig. Das Gericht ist auch kein traditionelles, chinesisches Gericht - in der chinesischen Küche spielt Lamm eine sehr untergeordnete Rolle. Für mich schmeckt es ohnehin eher wie eine Mischung aus chinesisch, thailändisch und indisch. Darum hab ich es auch mit einem Klecks Joghurt serviert, was ja eher in Indien als in China üblich ist.

Donnerstag, 6. September 2012

So nicht!

Tarte Tatin schmeckt gut. Bananen auch. Und Maracujas sind phantastisch. Also müsste eine Tarte Tatin mit Bananen und Maracujas ja absolut himmlisch sein.


Müsste. War sie aber nicht. Sie war sowas von verpfuscht und danebengegangen, wie schon lange nichts mehr. Der letzte derartige Pfusch liegt Jahre zurück. Das waren Erdäpfelknödel nach dem Rezept eines Spitzenkochs, die sich - kaum dass sie ins siedende Wasser versenkt waren - in ihre Einzelbestandteile auflösten. Ich glaube ja heute noch, dass es am Rezept lag.

Diesmal lag die Schuld eindeutig bei mir - das Rezept für Tarte Tatin mit Bananen und Maracujas war meine Erfindung. Die Tarte duftete total verführerisch, ist mir aber nach dem Umdrehen regelrecht davongeschwommen, wie man auf den Fotos sehr schön sehen kann - die Bananen stehen praktisch bis zum Bauch in süßer Maracuja-Karamell-Sauce.



Sie wurde von uns und den jungen Damen trotzdem ratzeputz aufgegessen - der Geschmack war nämlich wirklich einmalig. Es haperte nur an der Umsetzung. Deshalb gebe ich auch nicht auf. Die Geschmackskombination Banane-Maracuja mit buttrigem Karamell ist ganz wunderbar - daraus mach ich noch was!

Vielleicht ein Eis oder kleine Törtchen. Und falls mir jemand die Probierarbeit abnehmen will, habe ich gar nichts dagegen. Ich warte dann auf Erfolgsberichte!

Falls sich jemand über diese Tarte wagen möchte:

Bananen-Maracuja-Tarte

Einfach die Äpfel aus meinem Rezept durch zwei Zentimeter breite Bananenstücke ersetzen und in Maracujamark (samt Kernen) wenden. Sonst alles wie beim Original-Tarte-Tatin-Rezept.

Dienstag, 4. September 2012

Für's Katzerl, nicht wahr?


Der Mitkoch kocht Riñones al Jerez, also spanische Lammnieren. Die Küchenschabe macht das Baguette dazu. Und da der Mitkoch keine Gastbeiträge schreibt, bleibt die Schreibarbeit an mir hängen. Und eingekauft hab ich die Nieren auch noch. Dabei musste ich mich von der Verkäuferin fragen lassen: "Das ist sicher fürs Katzerl, nicht wahr?"

Woraus man schließen kann, dass Lammnieren bei uns keinen hohen Stellenwert genießen. Zu Unrecht finde ich. Bei sorgfältiger Zubereitung schmecken sie delikat und lassen auch jenen Beigeschmack vermissen, dessentwegen Nieren von vielen Menschen abgelehnt werden.
Ich habe übrigens die Frage der Verkäuferin feigerweise bejaht. Einer Diskussion mit einer Mühlviertler Marktfrau, warum der Mitkoch und ich dem Katzerl Lammnieren wegessen, wollte ich mich nicht stellen.

Der Mitkoch hat seine ersten Riñones vor vielen Jahren in Andalusien gegessen und war davon so angetan, dass er versucht hat, das Rezept aus dem Gedächtnis nachzubauen. Das weicht vom authentischen spanischen Rezept mit Paprikapulver ab, aber mir schmeckt seine Version ausgezeichnet.

Riñones al Jerez
für 2 Personen

10 Lammnieren
Buttermilch
Essigwasser 1:4 (1 Teil Essig, vier Teile Wasser)
200 ml trockener Sherry
etwas Suppe
1 rote Zwiebel, fein gehackt
Butter
Olivenöl
2 Knoblauchzehen
1/2 Bund Petersilie
1 EL Mehl
Salz
1 EL Currypulver (Mitkoch: Anapurna von Ingo Holland)

Die Nieren ein bis zwei Tage in Buttermilch einlegen, die einmal gewechselt wird. Dann abspülen, putzen und in zentimeterdicke Scheiben schneiden. Diese Scheiben legt man für ungefähr 15 Minuten in Essigwasser. Anschließend werden sie über Dampf zehn Minuten gedünstet, dann abgespült und trockengetupft.

Petersilienblätter, Knoblauch und Salz im Mörser zu einer groben Paste zerstoßen. Die Nierenscheibchen in Butter und Olivenöl ein bis zwei Minuten bei mittlerer Hitze braten. Wieder herausnehmen und auf einen Teller geben. Die Zwiebel in der selben Pfanne weich dünsten und die Petersilienmischung einrühren. Noch etwas mitrösten, mit Mehl stauben, dann mit Sherry und Suppe aufgießen und gründlich umrühren. Etwas einkochen lassen, die Nierenscheibchen samt der ausgetretenen Flüssigkeit wieder dazugeben und noch kurz wärmen. Abschmecken, mit Baguette und spanischem Rotwein servieren.

Der Rotwein war ein Mauro 2004 (ein Geschenk unseres spanischen Freundes). Ein phantastischer Wein, was nicht verwundert. Die Bodegas Mauro in Tudela del Duero gehören nämlich jenem Mariano García, der jahrzehntelang bei Vega Sicilia als Chefönologe wirkte.

Das Baguetterezept habe ich mir bei Petra ausgeborgt. Es hat den Vorteil, dass man das Brot innerhalb eines Tages fertigstellen kann, da der Vorteig nur zwei Stunden gehen muss.

Schnelles Baguette
Rezept für 3 kleine Brote

Vorteig:
135 g Weizenmehl glatt, Type 480
90 g Wasser
2 1/2 g Germ

Hauptteig:
Vorteig
315 g Weizenmehl glatt, Type 480
210 g Wasser
2 1/2 g Germ
9 g Salz
15 g Honig

Die Vorteigzutaten mischen und zwei Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen. Sämtliche Zutaten miteinander in der Küchenmaschine fünf Minuten auf niedrigster Stufe mischen. Weitere zehn Minuten auf Stufe zwei zu einem glatten, relativ weichen Teig verarbeiten, der sich am Ende komplett vom Schüsselboden löst.

90 Minuten abgedeckt bei Zimmertemperatur gehen lassen. Nach 45 Minuten einmal falten. Drei Teiglinge abstechen und vorsichtig zu Zylindern formen. 20 Minuten abgedeckt entspannen lassen. Die Baguettes formen und 50 Minuten bei Zimmertemperatur rasten lassen. Rechtzeitig den Backofen auf 250 Grad vorheizen. Ich lege meinen schamottierten Pizzastein ins Backrohr und stelle gleich eine Schüssel mit heißem Wasser auf den Boden des Backrohrs. Die Teiglinge jeweils dreimal überlappend flach einschneiden, in den Backofen geben, kräftig Wasser reinsprühen und 10 Minuten bei 250 Grad sowie weitere zehn Minuten bei 230 Grad backen. Sobald die Brote bräunen, den Ofen kurz öffnen, um Dampf abziehen zu lassen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

Noch eine kurze Anmerkung zum "nicht wahr?" im Titel. Die Martkfrau hat natürlich nicht "nicht wahr?" gesagt, kein Mensch in Oberösterreich sagt das. Hier sagt man gerne und oft "goi?" (gell) am Ende eines Satzes. Wenn auch unser Dialekt vielleicht nicht so stark ausgeprägt ist, wie der in Tirol oder Kärnten, an diesem Wörtchen erkennt man zuverlässig den Oberösterreicher.

Samstag, 1. September 2012

Sind so kleine Pflänzchen ...

... mit kleinen Blättchen dran -
darf man niemals pflücken,
die geh'n kaputt daran.

Ja, schon. Das kann schon sein.
Es geht aber nicht um Bettina Wegners Kinder*, sondern um meinen Mönchsbart. Ausgesät im Mai. Sorgfältig gewässert. Gedüngt mit Salz. Weil er das gerne mag, hab ich auf der Webseite einer Gärtnerei gelesen. Er kommt ja aus den Küstenregionen des Mittelmeers. Immer genau beobachtet, gegossen, sorgfältig vor Hagel beschützt. Hat aber alles nix genützt. Die Pflänzchen kümmerten vor sich hin, wollten nicht so richtig erwachsen werden. Ende August, hat es dann gereicht!

Und zwar für genau eine kleine Mahlzeit für zwei. Mit Spaghetti, ofengerösteten Tomaten, zerpflücktem Ziegenkäse und dünnen, knusprigen Speckscheiben. Normalerweise nichts, was ich bloggen würde. Aber es ist eben mein Mönchsbart, der verdient sich einen Beitrag. Und ich gebe nicht auf: Ich probier es nächstes Jahr wieder!


Spaghetti mit Mönchsbart und ofengerösteten Tomaten
für zwei Personen

250 g Spaghetti
ca. 200 g ofengeröstete Tomaten
1 rote Zwiebel, in feine Streifen geschnitten
30 g Butter
Salz, Pfeffer
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
50 g Bauchspeck, in dünnen Scheiben
2 Stück Picandou
etwas Mönchsbart (Küchenschabe: die Ernte eines Jahres)



Den Mönchsbart sorgfältig putzen und ungefähr fünf Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren. In einer beschichteten Pfanne die Speckscheiben knusprig braten und auf Küchenpapier entfetten. In derselben Pfanne die Zwiebelstreifen in Butter knusprig braten. Die ofengerösteten Tomaten und den Knoblauch dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zwei Drittel der Speckscheiben hineinbröseln.


Die Spaghetti al dente kochen. Kurz bevor die Spaghetti fertig sind, den blanchierten Mönchsbart unter die Tomaten rühren. Die Tomaten-Mönchsbart-Sauce über die Spaghetti geben und mit zerbröseltem Picandou und den restlichen Speckscheiben servieren. Dazu einen einfachen Chianti San Vito 2010. So fein!

Der Mitkoch meint allerdings, der Mönchsbart hat sich auf den feinen Geschmack dieser Pasta nur minimal ausgewirkt ...


*)