Sonntag, 3. März 2013

OHNE KORKEN

Beim Rückflug von unserem letzten London-Besuch hatte ich wieder einige neue Kochbücher im Gepäck. Eines hatte ich direkt am Borough-Market erworben, zuhause einmal durchgeblättert und ... vergessen. Vielleicht weil es ein unauffälliges Buch ist, nur mit Schwarz-Weiß-Fotografien.

Erst beim Durchforsten meiner Kochbücher vor einigen Tagen fiel es mir wieder in die Hände. Und da ein Kochbuch nur in meinem Haushalt bleiben darf, wenn ich mindestens ein Rezept daraus gekocht habe, begann ich es wieder einmal durchzublättern. Hängengeblieben bin ich bei einem Rezept, das folgendermaßen beschrieben wird "a dish that takes little time to prepare and yields fantastic results. Gutsy flavours und fruity red wine are lightened up with the addition of orange juice, making the dish perfect for any time of the year. Chili, fennel and orange are natural partners with saffron."

Na, da kann man ja fast nicht anders, als das nachzukochen. Noch dazu verlangt das Rezept eine Blutorange, und die Blutorangensaison neigt sich gerade ihrem Ende zu. Der dazupassende Safran findet sich in der Beilage als Safran-Reis.

 Oktopus in Rotwein mit Blutorange und Fenchel
 für 2 Personen

1 Oktopus, ca. 1 kg schwer oder 2 kleinere Oktopoden
4 EL Olivenöl
1 Zwiebel, fein gehackt
1 große Fenchelknolle, fein gehackt
2 Stangen Porree, das Weiße, geputzt, längs halbiert und in grobe Stücke geschnitten
4 Knoblauchzehen
1 TL Fenchelsamen
1 TL Korianderkörner
2 Lorbeerblätter
1 gehäufter TL Salz
1/2 roter Chili, fein gehackt (K: Habanero)
350 ml trockener Rotwein
1 Blutorange, halbiert

Safranreis:
100 g Risotto-Reis (K: Carnaroli)
1/4 TL Salz
1/4 TL Safranfäden
450 ml Hühnersuppe



Den Oktopus kalt waschen, die Tentakeln abtrennen, größere Tentakeln halbieren oder dritteln. In einem großen, schweren Topf das Olivenöl erhitzen. Zwiebel, Fenchel und Porree hineingeben, zudecken und ungefähr fünf Minuten dünsten.

Das Backrohr auf 170 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Knoblauch schälen und hacken, mit den Fenchel- und Koriandersamen, sowie Chili und Salz im Mörser zu einer Paste verarbeiten. Zum Gemüse geben und einige Minuten mitbraten, bis alles fein duftet. Die Oktopusteile zufügen und gut unterrühren. Lorbeerblätter und Wein, sowie die halbierte Orange mit der Schnittfläche nach unten hineingeben. Backpapier etwas größer als den Topfdurchmesser zuschneiden, auf den Topf legen, dann den Deckel auflegen. Für ungefähr eineinhalb Stunden ins vorgeheizte Backrohr geben.

Und übrigens: Es ist völlig unnötig, einen Korken zum Oktopus zu geben! Es hält sich ja in den verschiedensten Kochbüchern und Internet-Foren das Gerücht, Oktopus würde nur weich werden, wenn man einen Weinkorken mitkocht. Das ist Unsinn, der Kopffüßer wird auf jeden Fall zart und weich (oder auch nicht), ein Korken spielt dabei jedenfalls keine Rolle.

Für die Beilage den Reis zusammen mit Salz, Safranfäden und Suppe aufkochen. Acht Minuten leicht köcheln lassen, dann zudecken, den Herd abschalten und 20 Minuten ziehen lassen. Vor dem Servieren noch einmal durchrühren.
Dazu serviert mein Mitkoch einen ros di buri 2007, einen Merlot von Meroi aus Buttrio im Friaul, der wunderbar dazu passt.

Mehr Oktopus bei der Schabe:
Oktopus gebraten mit Fisolensalat
Salat vom Oktopus mit Orangen-Vinaigrette, Oliven und Kartoffeln




Kommentare:

  1. Och ...warum habe ich nur so einen mäkeligen "Mitesser".
    So ein wunderbares Essen!

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    1. echt wahr, dein Mitesser mag keinen Oktopus? Kann man ihn nicht vielleicht überreden?

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  2. huch, Kommentar verschluckt, also nochmals: Ich liebe Oktopus und bereite ihn häufig, vor allem im Sommer, als Salat zu. Meistens für mich alleine, denn da geht es mir mal wieder wie Sybille.

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    1. Schlimme Sache, das mit euren heiklen Männern ;-)

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  3. Oktopoden :-D noch nie gehört und auch noch nie zubereitet... und irgendwie habe ich nach deinen Posts immer einen Nachkochreflex :-) Wenn ich nur wüßte, wie sie schmecken... wenn sie in soviel Rotwein nicht untergehen, eher kräftig fischig, oder?

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    1. naja, schon ein bisschen fischig, mit einer festen Konsistenz ... schwer zu beschreiben, probier's doch einfach :-)

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  4. hallöchen,
    wo die küchenschabe recht hat, hat sie recht. a zach's luder wird mit oder ohne korken nicht weich.
    meist ist mir aber ein octopus zuviel, so daß ich den rest für einen salat verwende.
    sehr lecker...
    tanti saluti
    helika

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    1. du hast sicher den Vorteil, dass du extrafrischen Oktopus bekommst, wir hier müssen oft auf Tiefkühlware zurückgreifen!

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    2. stimmt,ich bekomme ihn meist direkt aus dem meer. aber man kann sich auf das fangglück nicht verlassen und so wandert der octopus nach dem fang auch schon mal ins gefrierfach. die qualität leidet darunter nicht.
      schau mal hier
      http://www.blog.interieur1.de/2012/04/fangtechnik/
      wenn der octopus nicht perfekt nach dem fang mindestens 60-80 mal unter hinzufügung von wasser geschlagen wird, dann bekommt man ihn mit oder ohne korken nie weich.
      tanti cari saluti
      helika

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  5. Darf ich einen Teller haben?? das ist sicher köstlich, aber ich hasse es so, Oktopus zu putzen...
    Ehrlich gesagt hab ich die Geschichte mit dem Korken auch noch gar nicht gehört :-)

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  6. Hi, das sieht mal wieder toll aus und ich hätte gerne mitgegessen.

    Das mit dem Korken kenne ich auch und komischerweise habe ich bisher den Octopus nur zart bekommen mit Korken, mag aber auch an dem Tier, mir, oder wer weiss was sonst gelegen haben.

    lg grimmel

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    1. Hallo grimmel,
      sei einfach mutig und lass den Korken nächstes Mal weg, du wirst keinen Unterschied merken :-)

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  7. Nun sag aber, wie viele Blutorangen musstest du aufschneiden, bis du eine findest, die so ein hübsches Muster hat! ;)

    Angeblich kommen zuerst die Moro, dann kommen meine geliebten Tarocco und nun fängt die Sanguinello-Zeit an. Nur leider habe ich im Leben noch keine Sanguinello-Blutorange gesehen. Aber ich gebe nicht auf! Irgendwann finde ich so eine.

    Schönes Rezept! Danke dafür.

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    1. ehrlich, ich hatte nur 2 daheim und das war die erste - ich hab wahrscheinlich einen guten Obst- und Gemüsedealer ;-), bei dem ich mich heute gleich mal nach Sanguinello-Blutorangen erkundige!

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    2. ich hab sie schon, die Sanguinello, ich schick dir ein "Beweisfoto" :-)

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  8. Hi Küchenschabe,

    beim nächsten Mal wenn der Gatte nicht in der Nähe ist und ich einen Octopus zubereiten kann werde ichmutig sein.

    Liebn Gruß
    grimmel

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