Dienstag, 6. August 2013

WILD AUF FENCHEL

Kurz vor Perugia, auf dem Mittelstreifen der Autobahn sah ich die Pflanze zum ersten Mal. Meterhoch mit wunderschönen gelben Blütendolden. Ich kannte sie nicht, und das machte mich gleich neugierig. Ich als Hobby-Botanikerin liebe es, unbekanntes Grünzeug von unseren Reisen mit nach Hause zu schleppen und im Garten einzusetzen. Dort auf der Autobahn konnte man aber natürlich nicht stehenbleiben. Ein paar Tage später fand ich dann einige Exemplare an einer kleinen Bergstraße auf der Halbinsel Monte Argentario. Als ich einen Zweig abriss und daran schnüffelte, war klar, dass das nur wilder Fenchel sein konnte.

Aus den mitgebrachten Samen zog ich meinen ersten Gewürzfenchel (Feniculum vulgare), und machte ihn im Garten heimisch. Er ist zweijährig, sät sich selbst aus, sodass irgendwo im Garten immer mal wieder ein Pflänzchen auftaucht. Inzwischen gibt es ihn auch in heimischen Gärtnereien, mit grünem oder rotbraunem Laub. Es ist unerlässlich für Paste con le sarde. Zwei- bis dreimal pro Saison rupfe ich dafür meine Pflanzen.

Heuer habe ich zum ersten Mal - angeregt davon, dass die Fenchelpollen vom Pinterits so ausgezeichnet schmecken - die blühenden Blütendolden geerntet, in der Sonne getrocknet und abgerebelt. Dann mit der Pinzette kleine Stengelteilchen entfernt - eine sehr kontemplative Arbeit bei der herrschenden Hitze. Das getrocknete Gewürz dann vorsichtig gekostet, zerbissen - Wahnsinn! Würzig, ätherisch, mit leichter Schärfe und zartem Fenchelgeschmack im Hintergrund. Wird beim nächsten Fisch probiert!


Ich ärgere mich ja ein bisschen, dass ich da nicht früher draufgekommen bin, aber ab jetzt werde ich noch viel mehr Gewürzfenchel anpflanzen. Auch deshalb, weil die Tiere auf dem Foto unten ihn sehr schätzen. Aus denen wird mal mein Lieblingsschmetterling. 



Pasta con le sarde
für 4 Personen

6 Sardellenfilets, ganz fein gehackt
100 g Weißbrotbrösel, geröstet
Olivenöl
1 mittlere, rote Zwiebel, gehackt
100 ml Weißwein
2 EL Strattú oder Tomatenmark
10 frische Sardinen
60 g Rosinen, in heißem Wasser eingeweicht
50 g Pinienkerne
1/2 TL Chilipulver (K: Piment d'Espelette)
einige Fäden Safran
50 g frisches Fenchelkraut, gehackt
Salz, Pfeffer

Die frischen Sardinen konnte ich trotz eifrigen Suchens nirgends bekommen, also musste ich notgedrungen auf Dosensardinen zurückgreifen (drei Packungen).
Das Öl von den Sardinen waschen, das  Rückgrat entfernen und die Fische etwas zerpflücken. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin glasig dünsten. Die gehackten Sardellenfilets einrühren bis sie schmelzen. Mit Weißwein aufgießen, etwas einkochen. Das Strattú hinzufügen, erneut aufkochen. Die abgeseihten Rosinen dazugeben, ebenso die Pinienkerne, den Safran, das Fenchelkraut und das Chilipulver. Etwa zehn Minuten unter gelegentlichem Umrühren kochen. Falls nötig, noch etwas Weißwein zugießen.

Zwei, drei Minuten vor Ende der Garzeit die Sardinen zugeben. Frische (ausgenommene und geputzte) Sardinen gibt man allerdings gleichzeitig mit den Rosinen zur Sauce. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Sauce mit den al dente gekochten Nudeln (im Original Bucatini, wir haben Bigoli genommen) mischen und mit knusprigen Weißbrotbröseln bestreuen. Ich gieße gerne noch ein bisschen grasiges sizilianisches Olivenöl extra vergine drüber. Der Mitkoch serviert dazu einen fantastischen grünen Veltliner 2011 vom Salomon aus Falkenstein, die jungen Damen trinken Apfel-Cider.


Kommentare:

  1. Sieht schön aus, Fenchelblüten sind so graziös! Und die tolle Raupe, wie ein futuristischer Schnellzug.

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    1. Weißt du, dass mein Mitkoch haargenau den gleichen Raupenvergleich angestellt hat :-)?

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  2. Seit Jahren nehme ich jetzt schon bei jeden Südfrankreich oder -Italien-Urlaub Unmengen von wildem Fenchen mit nach Hause (auch und gerade: die Blüten!). Immer in der Angst, nicht genug bis zum nächtsten Jahr gesammelt zu haben. Dabei ist die Lösung so einfach: Aussähen und hier selbst anbauen. Na, da hätte ich aber auch selbst drauf kommen können. Danke für die Inspiration.

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    1. es gibt wenige Pflanzen, bei denen das so problemlos funktioniert wie beim Fenchel. Ich hab's schon mit Feigen, Sclopit oder auch Mönchsbart probiert - das ist alles ziemlich danebengegangen :-)

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  3. Sehr fein, Deine Pasta. Nach dem Fenchel muss ich mal Ausschau halten, ich liebe den Fenchelgeschmack nämlich sehr. Und die Raupe ist adoptiert :-)

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  4. kontemplativ! Das Wort gefällt mir ... wie natürlich Dein ganzer Beitrag :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. danke, ich bin immer auf der Suche nach schönen, wenig verwendeten Wörtern :-)

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  5. Meine Samen aus der Bretagne haben sich lange Jahre immer wieder einen neuen Platz im Garten ausgesucht. Seit 2 Jahren aber hab ich keine Pflanzen mehr. Und damit auch keine der schönen Raupen mehr :/

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    1. Ach dann fahr doch einfach in den Süden ;-)
      Wie gehts eigentlich dem Hundetier?

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  6. seit ich den Pollen bei eline gesehen habe, will ich das mit meinem Gewürzfenchel auch machen. Leider sind nicht alle Blütenstände gleichzeitig reif. So wird sich die Ernte noch etwas hinziehen.

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    1. Das stimmt, auch bei mir zieht es sich etwas hin. Die erste Ernte ist mal geschafft, aber ich ernte und trockne laufend - dafür wenigstens ist das derzeitige Wetter ideal!

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  7. Ich hätte zu gern einen Teller gehabt! Aber ohne Schnellzug, bitte. ;-) Der Vergleich hat sich mir auch sofort aufgedrängt. Und ich bin neugierig, hast du das Bild der Raupe im Vordergrund unscharf maskiert oder hast du ein Makroobjektiv benutzt?

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    1. ich hab eine Nikon D90 und hier ein 60er Makro verwendet, mein Lieblingsobjektiv fürs Essenfotografieren (hat mir mein Mitkoch geschenkt :-))

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  8. Ich lese das hier mit Begeisterung.Meine Liebe zu Fenchel und Fenchelpollen ist ja kein Geheinmis. Der nette Herr Pinterits hat mir so viele wilde Pollen verehrt, dass ich noch einige Saisonen damit würzen kann. Gottseidank, denn deinen Hang zum Jagen und Sammeln (mit Pinzette!!) teile ich ja nicht so sehr, ausser bei Schwammerl und die verstecken sich vor der Hitze.
    Deine köstlich aussehende Pasta mit Sardinen würde H zum Weinen bringen. Vor Begeisterung - weil Sardinen bekommt er bei uns zuhause nur in Form von Nuri aus der Dose ;-)
    Sclopit brauchst du ja nicht anbauen, Leimkraut wächst auf jeder Wiese. Nur hunde- und atzenfrei sollte sie sein ...

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  9. das mit dem Sclopit stimmt schon - theoretisch. Aber dann, wenn er am besten schmeckt, also im Frühling vor der Blüte, dann finde ich ihn einfach nicht. Ich kenn zwar eine Wiese im Mühlviertel, wo das Zeugs im Sommer blüht, aber die Blätter allein sind so unscheinbar und leicht zu verwechseln, ich finde da einfach nix :-)

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  10. DEr Raupenschnellzug ist der Hammer! so ein schickes Design möchte ich mal bei der Bahn sehen ;-)

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  11. Diese Raupe ist ja wunderschön! Wir erfreuen uns derzeit eher an Wespen ... *grummel*

    Meine Hochachtung vor der Arbeit, die du dir antust mit dem Fenchel!

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    1. Hallo Susi,
      willkommen zurück! Wie war der Urlaub mit dem Hundesenior?
      Wespen haben wir übrigens auch genug (und Hornissen, aber die sind mir lieber, die sind nicht so hektisch aggressiv) und Gössn sind auch viele da :-)

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  12. Urlaub war toll. Nur leider ist mein imac hinüber, dauert wohl noch, bis ich wieder bloggen kann. :(

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  13. Diese Pasta esse ich immer, wenn ich in Linz bin, beim italienischen Feinkostladen in der Arkade. Ich bin jedesmal hin und weg. Allerdings esse ich sie ohne Rosinen, die kann ich nämlich nicht leiden.

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