Montag, 19. September 2011

BALSAMICO UND GLÜCKLICHE LÄMMER




















Auf der Rückreise von Venedig haben wir zwei Tage Station im Friaul gemacht - unserer Lieblingsgegend in Italien. Dort ist das Essen ganz fantastisch, die Weine sind sehr gut und noch leistbar. Die Menschen sind freundlich, die Landschaft abwechslungsreich. Seit zehn Jahren verbringen wir mindestens einmal im Jahr einige Tage dort. Wir haben uns schon einen kleinen Stamm von Lokalen, Läden, Produzenten und Winzern aufgebaut, die wir immer wieder gerne besuchen.
Neu dazugekommen sind diesmal die weltgrößte Balsameria in Manzano und ein toller Koch in Moggio Udinese.

Die Balsameria Midolini hat aufgrund ihrer Größe einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde bekommen. Marketingmäßig würde ich den Guiness-Eintrag nicht so herausstreichen – zu schnell ist die Assoziation mit Industrie und Massenproduktion hergestellt.




















Aber wie sich herausstellt, man macht man dort sonst alles richtig. Mehr als richtig. Die verkosteten Balsamico-Essige mit dem Markennamen Asperum waren von derart hoher Qualität, kein Balsamico tradizionale, den ich bisher gekostet oder gekauft hatte, schmeckte so rund, harmonisch und nuancenreich nach Frucht und den verwendeten Hölzern, ein bisschen nach Honig und erst ganz zum Schluss etwas scharf.




















Bei einer Führung durch den Betrieb dürfen wir uns alles ansehen und lassen uns den Prozess der Balsamico-Herstellung erklären: Refosco- und Friulano-Trauben (früher Tokai) werden 36 Stunden gekocht, dann auf acht Grad heruntergekühlt. So können die Essigsäurebakterien ihr Werk beginnen, ohne dass eine alkoholische Gärung einsetzt. Der Balsamico reift über viele Jahre in verschiedenen Holzfässern (unter anderem Maulbeer, Eiche und Wacholder) und wird dabei immer dunkler und konzentrierter. In den Handel gelangt Asperum im Alter von 5, 15 oder 30 Jahren. Balsamico dürfte man das Produkt der Midolinis übrigens gar nicht nennen. Sie selbst bezeichnen das Geschmackserlebnis als Salsa aromatica, da Modena auf der Bezeichnung Balsamico die Hand drauf hat.

Die Midolinis sind überzeugt davon, dass die idealen Trauben für Balsamico Refosco und Friulano-Trauben sind, und dass ihr Asperum deshalb dem Tradizionale aus Modena ebenbürtig ist (ich hab das Gefühl, eigentlich glaubt man dort, dass Asperum besser ist). Dem Vernehmen nach macht Asperum den traditionellen Betrieben in Modena schon etwas Angst.
Besuch ist auf der Azienda jederzeit willkommen, eine Führung durch den Betrieb lohnt sich alleine schon wegen des wunderbar feinen Geruchs, der dort überall in der Luft liegt.

Noch ein paar Tipps vom Manager der Midolinis: Beim Kauf im Geschäft (und nicht beim Produzenten seines Vertrauens) auf die Zutatenliste im Kleingedruckten achten. Karamell, Zucker, Verdickungsmittel und Farbzusatzstoffe haben im Balsamico nichts verloren.
Der fünf Jahre alte Asperum wird für Salatmarinaden und zum Kochen verwendet, der 15 und 20 Jahre alte sollte zu Saucen erst ganz kurz vor dem Servieren gegeben werden, Kochen würde sein feines Aroma zerstören. Er schmeckt auch zu gegrilltem Fleisch, Fisch (roh und gegart), Früchten (Erdbeeren!) und mildem Käse. Parmigiano mit seinem intensiven Geschmack braucht zur Abrundung den 30 Jahre alten Asperum.

Nun zum Koch in Moggio Udinese. Der Ort liegt nahe der Autobahnabfahrt Tolmezzo. Auf der Fahrt durchs Kanaltal sieht man den Kirchturm von Moggio Udinese schon von weitem. Die kleine Osteria "Agli Artisti" liegt direkt im Zentrum den Ortes und wird von Denis und Eliane Filaferro betrieben. Man fühlt sich sofort wohl bei den herzlichen jungen Wirtsleuten.





















Auf der kleinen Speisekarte – die gerne auf deutsch mit nettem schweizer Akzent erklärt wird – findet man einige lokale Spezialitäten. Die Vorspeise "Trittico di fiori d´aglio resiano" wird mit Schinken aus Sauris serviert. Der Knoblauch aus dem Resiatal ist eine karnische Delikatesse, für die es jährlich ein eigenes Fest gibt.




















Der Name der Hauptspeise "Agnello nostrano" ist ganz wörtlich zu nehmen. Die Filaferros züchten selbst Schafe. Die glücklichen Tiere dürfen auf Almwiesen herumhüpfen, Kräuter zupfen und schmecken daher ausgezeichnet. Die Nachspeise war ein Semifreddo mit Mandeln, Bröseln aus Amaretti (hausgemacht!) und Schokolade. Dazu einen Cabernet Franc von Gildo aus Spessa di Cividale und Weintipps vom Koch – für den nächsten Ausflug ins Friaul ...


Sonntag, 18. September 2011

UHUDLERGELEE AUS ERDBEERTRAUBEN




















Vor vielen Jahren hat mir ein Onkel, anlässlich eines Besuches einen kleinen Weinstock geschenkt. Der wucherte jahrelang unkontrolliert vor sich hin, wurde nicht geschnitten und aufgebunden. Hat eben niemanden interessiert. Das hat sich erst geändert, als der Mitkoch begonnen hat, sich für diese Traubensorte zu begeistern. Daher wissen wir jetzt, dass die Traube eine sogenannte Uhudlertraube ist. Ihr Sortenname ist Isabella.

Kurzer Ausflug in die Geschichte: Der Uhudler ist ein südburgenländischer Wein, der aus Direktträgertrauben hergestellt wird. Diese sind resistenter gegen Reblausbefall. Man vermutete aber gesundheitsschädliche Wirkungen aufgrund des leicht erhöhten Metanolgehalts dieses Weins. In den 70er Jahren war die Produktion für den Eigenbedarf erlaubt, nach dem großen österreichischen Gykolweinskandal wurde der Wein in den 80er Jahren überhaupt verboten.
Heute ist dieses Verbot aufgehoben, der Wein gilt als regionale Spezialität und darf in acht burgenländischen Gemeinden verkauft werden.
Ende des Ausflugs in die Geschichte. Ach ja, ein österreichischer Name für diesen Wein ist auch Heckenklescher - für die richtige Schreibweise übernehme ich keine Garantie.
In Italien heißt der Wein aus dieser Traube Fragolino - nicht zu verwechseln mit einem billigen Sektgetränk gleichen Namens. Er gelangt nur selten in den Handel - wenn man ihn irgendwo sieht: sofort zugreifen, es lohnt sich wirklich!
























Das Besondere an dieser Traube ist ihr einzigartiger, sensationell feiner Geruch und Geschmack nach frischen Erdbeeren. Seit sich der Mitkoch so fürsorglich um die Pflanze kümmert, wächst sie – im Frühling sorgfältig geschnitten – die Hauswand entlang und trägt Jahr für Jahr eine Menge Trauben. Wenn ich schneller als die Amseln bin und rechtzeitig daran denke, ein Netz um die Trauben zu spannen, kann ich Erdbeertrauben-Gelee einkochen.
Traubengelee-Versuche haben ergeben: Mit der Schale kochen und dann passieren ergibt Gelee von schöner, roter Farbe. Heuer möchte ich auch einen Teil des Gelees (allerdings ungezuckert) einfrieren – daraus müsste sich eine ganz tolle Füllung für Macaraons machen lassen ... oder Eis ...

Erdbeertrauben-Gelee

Die Trauben abzupfen und in einem Topf köcheln, bis die Früchte zerplatzen. Durch ein Sieb streichen und pro Liter gewonnenem Saft mit einem halben Kilo Zucker und Pektin nach Packungsanweisung einige Minuten köcheln. Heiß in Gläser füllen und die Gläser für zehn Minuten auf den Kopf stellen. Kühl und dunkel lagern.
Und jetzt geh ich Dirndln pflücken ...

Samstag, 17. September 2011

HÜHNERKEULEN MIT HARISSA UND BUNTEM MANGOLDSALAT




















Ein ganz einfaches Rezept. Von Nigel Slater aus dem Buch kitchen diaries. Die Vorbereitung dauert nur einige Minuten. Moment, das stimmt jetzt so nicht: Man muss ja die Hühnerkeulen entbeinen. Wenn jemand das das erste Mal macht, kann die Kocherei doch etwas länger dauern. Erklären werd ich das Entbeinen hier nicht, das kann man sich mit zwei, drei Klicks ergoogeln, auch von Arthurs Tochter gibts auf youtube ein Video dazu. Und während das Huhn im Backrohr schmort, gehe ich kurz in den Garten und schneide ein ein paar bunte Mangoldstiele für den Salat. Am besten passt Weißbrot dazu.




















Hühnerkeulen mit Harissa und buntem Mangoldsalat
Für 2 Personen

4 Hühnerkeulen
2 TL Harissa
2 EL griechisches Joghurt
1 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer

Die Hühnerkeulen entbeinen. Harissa mit Joghurt, Olivenöl, Salz und Pfeffer gründlich mischen und die Hühnerkeulen damit rundherum einreiben. Mit der Hautseite nach unten in eine feuerfeste Form legen und im Backrohr unter dem Grill braten, nach ungefähr zehn Minuten wenden. Durchgebraten sind sie nach  etwa 30 Minuten, zwischendurch aber immer kontrollieren, dass sie nicht zu schwarz werden.




















 Bunter Mangoldsalat

ca. zehn bunte Mangoldstiele
2 Knoblauchzehen, in hauchdünne Scheibchen geschnitten
3 EL Aceto Balsamico
6 EL Olivenöl
2 TL Dijonsenf
1/2 TL Chilipulver
eine Handvoll Rosinen, in warmem Wasser eingeweicht
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer


























Mangold waschen. Mangoldstiele von den Blättern trennen. Die Stiele in etwa fünf Zentimeter lange Stücke schneiden und diese längs halbieren. In kochendem Salzwasser ungefähr acht bis zehn Minuten blanchieren. Herausnehmen und kalt abschrecken, trocknen. Die Blätter in fingerdicke Streifen schneiden und im kochenden Wasser eine Minute blanchieren. Ebenfalls kalt abschrecken und trocknen. Alle anderen Zutaten mit dem Schneebesen aufschlagen und über den Mangold gießen, gut durchmischen. Mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

Donnerstag, 15. September 2011

SERENISSIMA-NACHTRAG




















Kunst also. Zwei Tage unter erschwerten Bedingungen - unerwartete Hitze mitten im September. Küchenschabe und Mitkoch haben trotzdem sowohl die Giardini als auch das Arsenale von vorne bis hinten durchkämmt. Beim Abendessen beschränkten wir uns aus Erschöpfung auf die Gegend rund um unser Hotel - und es war eine angenehme Überraschung. Am Fondamente Misericordia kann man offenbar keine Fehler machen. Die Osterie Bea Vita und  Al Mariner kann ich jedenfalls weiterempfehlen. Einfache, solide Küche, faire Preise und im Al Mariner war sogar der Cabernet Franc auf angenehme Trinktemperatur gekühlt!