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Dienstag, 6. November 2018

NICHT LUSTIG ...

Eine gute Woche ist seit unserem letzten Venedig-Besuch verstrichen. Es war – geschätzt – mein 30. Aufenthalt in dieser schönen Stadt und beileibe nicht der erste mit Acqua alta. Aber was diesmal ablief, war selbst für Venezianer, die bei solchen Ereignissen meist recht cool bleiben, schwer auszuhalten.




Die fröhlichen Bilder aus dem Internet, auf denen Kellner durchs überschwemmte Lokal waten und Getränke und Essen servieren bilden doch nur einen kleinen Teil der Ereignisse dieser Tage ab. Wir sahen verzweifelte Ladenbesitzer vor ihren Geschäften, wo das Wasser über den montierten Hochwasserschutz schwappte.

Entnervte Sicherheitskräfte die sich bemühten, die Touristen vom Markusplatz zu scheuchen, weil sie sonst dort von den Wassermengen eingeschlossen worden wären (ja eh, wir waren auch dort, verzogen uns aber so schnell wie möglich, als wir den Ernst der Lage erkannten). Unser Nachhauseweg von der Vaporetto-Station zum Hotel (sonst etwa fünf Minuten), dauerte etwa eine Stunde. Immer wieder kehrten wir um, weil das Wasser in manchen Gassen einfach zu hoch stand.



So fiel auch unser geplanter Besuch der Insel Burano buchstäblich ins Wasser – ein triftiger Grund, bald wieder hinzufahren! Am Weg nach Hause kauften wir natürlich wieder ein bisschen ein – unter anderem Bio-Wachteln, die zu einem einfachen aber richtig feinen Abendessen wurden.

Wachteln in Weißweinsauce
für 2 Personen

4 Bio-Wachteln
3 EL Butterschmalz
2 gelbe Zwiebeln, grob gehackt
50 g Lardo, in Streiferl geschnitten
175 ml Hühnersuppe
1 TL Senfpulver (Senf geht auch)
175 ml Weißwein
1 Prise Muskatnuss
1 Messerspitze Zimt
einige Blätter Salbei, grob gehackt
Salz und Pfeffer

Das Butterschmalz in einem schweren Bräter erhitzen. Die Wachteln darin in fünf Minuten rundherum anbraten, dann aus dem Topf nehmen und beiseite stellen. Die gehackten Zwiebeln mit dem Lardo in den Bratrückstand geben und in etwa zehn Minuten glasig dünsten. Den Weißwein und die Hühnersuppe zugießen, Senf unterrühren, die Gewürze und den Salbei dazugeben und die Wachteln obendrauf platzieren. Aufkochen, dann die Hitze reduzieren und zugedeckt etwa eine Stunde sanft schmoren.

Dann den Deckel abnehmen, abschmecken, den Topf in den Ofen stellen und die Wachteln unter Aufsicht noch einige Minuten übergrillen. Dazu gab's geröstetes Pan Pugliese, ebenfalls auf dem Heimweg eingekauft und friulanischen Sauvignon von Lis Neris.

Mit Venedig-Tipps tu ich mir diesmal ein bisschen schwer - wie immer sehr gut war das Essen in der Birraria La Corte am Campo San Polo. Und sehr gut gefallen hats uns in der urigen Osteria Nono Risorto: Ich hatte einen ausgezeichneten Coda di Rospo al forno (Seeteufel), der Mitkoch (wie fast immer) Spaghetti Vongole.

Einen Tipp hab ich schon noch: Es gibt zwei Apps, die den aktuellen Venedig-Hochwasserstand beziehungsweise die Prognose für die nächsten drei Tage liefern. Die erste heißt WVF (water on the venice floor), die zweite hi!tide Venice. Bei dieser App kann man sehr schön erkennen, dass sich der Hochwasserstand wegen der Gezeiten mehrmals am Tage gravierend ändert. Daher für die Zukunft: Wird man vom Hochwasser überrascht, so schnell wie möglich in die nächste trockene Bar flüchten und dort einige Stunden verbringen. Das Wasser sinkt zuverlässig, man muss nur ein bisschen Geduld haben ...






Paccheri mit Entenragout und Orangen in der Birraria La Corte





Dienstag, 7. Februar 2017

KARFIOL MAG OLIVE

Die Zeitungen berichten, dass es ob des strengen Winters Engpässe bei Tomaten, Paprika, Zucchini und Salaten gibt.
Aber Karfiol gibts genug, davon konnte ich mich am sehr winterlichen und spärlich besuchten Gemüsemarkt überzeugen. Und so habe ich rund um dieses Gemüse ein Abendessen zusammengestellt: Mir schwebte eine samtige Karfiolcreme vor. Die vor kurzem im Dörrgerät getrockneten, knusprigen schwarzen Oliven zum Drüberstreuen über diese Creme passten hervorragend (die getrockneten Oliven sind übrigens auch ein feiner Snack zum Knabbern bei einem Glas Wein).


Getrocknete Weichseln - gedünstet in Portwein - und Hendlhaxerl in Milch gegart und dann kurz übergrillt - das fügte sich alles exzellent zusammen und schmeckte außergewöhnlich gut.

Hendlhaxerl mit Karfiolcreme und Portwein-Weichseln
für 2 Personen

2 Hendlhaxerl
1 l Milch
Salz

1 Karfiol (Blumenkohl)
150 ml Milch
100 ml Hendlsuppe
30 g Butter
Salz

100 g getrocknete Weichseln
5 Schalotten
Thymian
1 Zimtstange
3 Wacholderbeeren, leicht angedrückt
etwas Butter
2 - 3 EL Portwein
2 - 3 EL Balsamico-Essig (K: Midolini)
etwas Hendlsuppe nach Bedarf

einige getrocknete schwarze Oliven, etwas zerbröselt



Milch in einen Kochtopf geben und salzen. Die Hendlhaxerl einlegen und so lange mehr sieden als kochen, bis die Haxerl durch sind.
Den Karfiol in kleinere Röschen zerlegen. Mit Milch, Suppe und Butter weich kochen, etwa 20 Minuten. Danach die Kochflüssigkeit abgießen und aufheben. Den weichen Karfiol im Standmixer ganz fein pürieren, dabei so viel von der Kochflüssigkeit zugeben, dass alles cremig, aber nicht suppig wird. Mit Salz abschmecken und warm stellen.

Die Schalotten grob zerteilen und zusammen mit Thymian, Wacholderbeeren und Zimt in Butter braten, bis sie weich und leicht gebräunt sind. Die Weichseln zufügen, mit Portwein und Balsamico aufgießen und köcheln lassen. Zwischendurch mit etwas Suppe aufgießen und weiterköcheln, bis die Weichseln ganz weich sind und eine sirupartige Sauce entstanden ist.

Das Backrohr auf Grillstufe einheizen. Die Hendlhaxerl aus der Milch fischen und gut abwischen. Mit ein bisschen der sirupartigen Sauce bepinseln und unter Aufsicht übergrillen, bis die Haut knusprig ist ("unter Aufsicht" ist ganz wichtig! Und man darf sich dabei nicht ablenken lassen, sonst werden die Haxerl schwuppdiwupp etwas zu dunkel - wie man auf den Fotos sieht.).

Einen großen Klecks der Karfiolcreme auf den Teller geben, mit getrockneten Oliven überstreuen. Das Hendlhaxerl drauflegen und rundherum etwas Portweinweichseln drapieren.

Karfiol und getrocknete Oliven - das hat mich wirklich überzeugt. Werde ich wohl demnächst auch in einer Suppe probieren!





Montag, 14. November 2016

LONDON UND EIN SCHLECHTWETTERWOHLFÜHLESSEN



Ganz begeistert sind wir wieder von London gewesen. Die Stadt gefällt uns immer besser. Vielleicht liegt es auch daran, dass "unser" London immer weniger das London aus dem Reiseführer ist. Weil wir Gegenden erkunden, die eher nicht im Reiseführer stehen, aber hochinteressant und spannend sind.



Das White Building in Hackney Wick, Sitz der Crate Brewery.
Beispielsweise Bermondsey, aber auch die Gegend rund um Hackney Wick, nahe Stratford. Dort siedeln sich Kreative aller Art und viele Craft-Brauer an. Die Gentrifizierung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. So wie vor vielen Jahren Camden interessant war, und bis vor kurzem auch die Gegend rund um die Brick Lane. Gerade dort fällt uns besonders auf, wie schnell sich alles ändert. War die Brick Lane vor ein paar Jahren noch wirklich schäbig und heruntergekommen, aber total interessant, finden sich dort jetzt vermehrt auch schon "feinere" Läden. Sie verdrängen die Start-ups und es wird ein kleines bisschen uninteressanter.

Wir haben hervorragend gegessen, chinesisch, indisch, thailändisch, aber auch moderne englische Küche, beispielsweise im Nopi. Am Ende des Beitrages findet ihr wie immer einige Links dazu.

Zuhause angekommen habe ich mich zur Abwechslung mal wieder an der türkischen Küche versucht. Und zwar mit einem richtigen Schlechtwetterwohlfühlessen ( sehrsehr frei nach einem Rezept aus dem Kochbuch Pismek).


In Speck gewickelte Hühnerhaxerl mit Zimtreis und Zitronensauce
für 2 Personen

4 Hühnerhaxerl
etwa 100 g Bauchspeck, in dünne Scheiben geschnitten
2 Knoblauchzehen, in dünne Scheibchen geschnitten
Olivenöl
2 Lorbeerblätter
125 ml Weißwein
1/2 TL Bockshornklee, grob erstossen
1 TL Kreuzkümmel, grob zerstossen
1 TL Paprikapulver, edelsüß
2 Knoblauchzehen, gehackt
1 TL Salz

Zimtreis:
Olivenöl
1 Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, gehackt
30 g getrocknete Berberitzen
30 g Walnüsse, grob gehackt
1 TL gemahlener Zimt
150 g Langkornreis
300 ml Hühnersuppe
1 TL Chilipulver

Zitronensauce
250 ml Hühnersuppe
30 ml Zitronensaft
1 gestrichener EL Maizena
2 Eigelb
ca. 1 EL abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone
Salz, Pfeffer

Das Backrohr auf 180 Gread Ober-/Unterhitze vorheizen. Bockshornklee, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Knoblauch und Salz mischen. Die Hühnerhaxerl damit rundherum einreiben. Dann mit den Speckscheiben einwickeln und mit etwas Olivenöl einpinseln. Olivenöl in einem Bräter erhitzen. Knoblauchscheiben darin kurz anbraten. Lorbeerblätter in den Bräter legen, darauf die eingewickelten Hühnerhaxerl. Den Weißwein zugießen. Deckel auflegen und für eine Stunde im Backrohr schmoren lassen. Danach den Deckel abnehmen und für eine weitere halbe Stunde braten. Darauf achten, dass genügend Flüssigkeit im Bräter ist, notfalls noch etwas Wein nachgießen. Nach eineinhalb Stunden aus dem Backrohr holen und noch etwa zehn Minuten rasten lassen.

In der Zwischenzeit den Reis und die Zitronensauce zubereiten. Dafür Maizena mit etwas Hühnersuppe glatt rühren. Die restliche Suppe in einem Topf, gemeinsam mit dem Zitronensaft zum Kochen bringen. Maizena-Mischung einrühren und unter ständigem Rühren köcheln, bis die Masse eindickt. Vom Herd nehmen, etwas abkühlen lassen. Die Eigelb mit etwa 50 Milliliter der Suppen-Maizena-Mischung verrühren, dann wieder zurück in den Topf geben. Erneut auf den Herd stellen und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren noch etwas eindicken lassen. Die Zitronenschale einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und warm halten.

Für den Reis Olivenöl in einem Topf erhitzen. Zwiebel und Knoblauch etwa fünf Minuten darin braten. Berberitzen, Nüsse, Zimt, Chilipulver und Reis zufügen und unter Rühren einige Minuten braten. Mit der Hühnersuppe aufgießen, salzen und pfeffern und zugedeckt 15 bis 20 Minuten köcheln lassen, bis der Reis die  Flüssigkeit aufgesogen hat. Vom Herd nehmen und zehn Minuten ziehen lassen.

Die salzig-würzigen Hühnerhaxerl,  die säuerliche Sauce und der süßlich-pikante Reis mit den Nussstückchen und der leichten Schärfe - schmeckt einfach rund und fein!

Hier noch ein paar London-Fotos und unten wie immer ein paar Tipps:


Sonntäglicher Food Market an der Brick Lane

Regent's Canal in Islington

St. Pancras


Auf den Straßen wurde Halloween ausgiebig gefeiert

Essen und Trinken:
Nopi, 21 - 22 Warwick Street
The Kernel Brewery, Lieblingsbrauerei des Mitkochs - Arch 11, Dockley Road Industrial Estate, Dockley Rd
Brew by Numbers,  BBNO - 79 Enid Street
The Bottle Shop, riesige Auswahl an Craft Bieren - 128 Druid Street 
The London Honey Company, Honig von Londoner Bienen - Arch 7, Spa Business Park, Dockley Rd
Crown & Queue Meats feine Würste - Unit 8 Spa Business Park, Dockley Road
Crate Brewery, feines Bier und Cider, für den Hunger gibt's auch Pizza - 7, Queen's Yard (im White Building)
Canton Arms, Pub mit feinem Essen und gutem Bier - 177 S Lambeth Road
Old Fountain, noch ein Pub mit feinem Essen und guten Bieren - 3 Baldwin Street
Byron, mehrere Filialen in der Stadt, sehr gute Burger für den schnellen Hunger, interessante Biere
Euphorium Bakery, mehrere Filialen in der Stadt, feines Frühstück, guter Kaffee 

Im Old Fountain

Canton Arms

Schmuck:
At Work Gallery, Contemporary Jewellery - 35 Ponsonby Terrace
Gill Wing Jewellery, Contemporary Jewellery, 182 Upper Street

Sonstiges:
Camden Passage in Islington: viele kleine Läden, Cafes und Pubs
The Chewing Gum Man: Wenn man Glück hat, trifft man irgendwo in der Stadt auf Ben Wilson und seine Miniaturen 


Winzige Street Art von Ben Wilson, dem "Chewing Gum Man"
Und noch ein guter Rat: Die Oyster-Card nie zusammen mit anderen Magnetkarten aufbewahren ...


Montag, 11. Juli 2016

MAN NEHME …



... ein Huhn, frische Gewürze, eine warmen Sommerabend und einen Mitkoch, der das Backrohr überwacht, während ich mit meinem neuen Fahrrad eine abendliche Radtour den Fluss entlang in den Nachbarort mache.

Also, mehr oder weniger: Vor der Ausfahrt habe ich die Fülle für das Huhn vorbereitet, die Zutaten für einen erfrischenden Salat geschnipselt, das gefüllte Huhn ins Backrohr geschoben und den Mitkoch gebeten, das Tier alle 15 Minuten mit Flüssigkeit zu bepinseln.

Es gibt nämlich wenig, das wir lieber mögen als knuspriges Hühnchen. Diesmal habe ich es zur Abwechslung mal mit Reis, Kokosflocken (optimal ist frisch von der Kokosnuss, getrocknete gehen natürlich genauso) Zitronengras, Ingwer, Koriander, Chili, Knoblauch und Kaffirlimettenblätter gefüllt. Und dazu einen Salat aus Ananas, Avocado, Gurke, Frühlingszwiebeln und Marillen - was sich eben noch so alles zu Hause finden ließ.

Es war ein erfrischend fruchtig-scharfes Sommeressen draußen auf der Terrasse, während rundherum schon wieder das Piepsen der Mähdrescher zu hören war, die bis in die Nacht hinein die Witterung ausnützten, um das Getreide ins Trockene zu bringen ...


Gefülltes Huhn asiatisch, mit Ananas-Avocado-Marillen-Salat

1 Biohendl
60 g Jasmin-Reis
1 Stück Zitronengras, nur das Weiße,  grob gehackt
2 Kaffirlimettenblätter (eigene Ernte), in Streiferl geschnitten
60 g Kokosflocken, geröstet
1/2 Bund Koriander, grob gehackt
4 cm Ingwer, geschält, grob gehackt
1/2 Habanero-Chili, gehackt
3 Knoblauchzehen, geschält, grob gehackt
1 EL Fischsauce
Salz

250 ml Wasser
30 ml Fischsauce
25 g brauner Zucker
30 ml Limettensaft 

Ananas-Avocado-Marillen-Salat:
1/2 Ananas, geschält, in kleine Würferl geschnitten
5 Marillen, in kleine Würferl geschnitten
1 Avocado, geschält, in kleine Würferl geschnitten
3 Frühlingszwiebeln, das Weiße fein gehackt, das Grüne in Ringerl geschnitten
1 kleine Feldgurke, geschält, entkernt, in kleine Würferl geschnitten

1 EL Chilimarmelade (selbstgemacht), ersatzweise süße Chilisauce
Saft einer Limette
1 EL Sesamöl
Zucker zum Abschmecken

Den Reis kochen, bis er nicht mehr hart, aber noch bissfest ist, etwa zehn Minuten.  Kaffirlimettenblätter, Knoblauch, Ingwer, Koriander, Chili und Zitronengras mit dem Stabmixer grob pürieren. Geröstete Kokosflocken, Reis und Fischsauce zufügen und gut durchmischen. Mit Salz abschmecken. Wasser, Fischsauce, Zucker und Limettensaft verrühren. Zwei Drittel davon in einen Bräter geben. Das Backrohr auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen.

Das Huhn waschen und trockentupfen. Mit der Reis-Kokosflocken-Ingwer-Mischung füllen, mit einem Spießerl verschließen und mit der Brust nach unten in den Bräter legen (nach der Hälfte der Bratzeit umdrehen). Alle 15 Minuten mit der verbliebenen Flüssigkeit bepinseln. Mindestens eineinhalb Stunden braten.

Alle Zutaten für den Salat mischen. Die Marinade aus Chilimarmelade, Limettensaft, Sesamöl und Zucker verrühren und zugedeckt zur Seite stellen. Nach Ende der Bratzeit das Huhn aus dem Backrohr holen. Die Marinade über den Salat leeren, durchmischen und noch etwas ziehen lassen. Solange darf auch das Huhn rasten, etwa zehn Minuten.
Das Huhn zerteilen, die Füllung und den fruchtig-scharfen Salat daneben platzieren und zusammen mit dem Bratensafterl,  einem Glas Weißwein (Sauvignon 2014 von Tiare) und dem Mitkoch genießen.


Sonntag, 27. Dezember 2015

STUBENKÜKEN UND KURZES PHILOSOPHIEREN ÜBER EINE SCHNECKE


Ich hab's doch gewusst: Im neuen Buch von Ottolenghi hab ich - gleich nach dem feinen, knusprigen Schweinsbauch - das nächste Rezept entdeckt, das unbedingt nachgekocht werden musste: zweifach gegartes Stubenküken. Als Beilage habe ich mich für Gurkensalsa und Erdnuss-Sauce (beides ebenfalls aus dem Buch) entschieden. Das Rezept dauert ein bisschen, das sollte man bedenken: Die Küken werden am Vortag das erste Mal gegart, die sogenannte Meistersauce wird ebenfalls am Vortag gemacht. Dafür hat man dann am Tag, an dem die Gäste kommen, etwas weniger Arbeit mit der Hauptspeise und kann sich entspannt um Vor- und Nachspeise kümmern.

Zweifach gegartes Stubenküken mit Gurkensalsa und Erdnuss-Sauce
für 2 Personen als Hauptspeise, bei einem mehrgängigen Menü reicht es für 4 Personen

2 Stubenküken

Meistersauce:
1,25 l Hühnersuppe
150 ml Sojasauce
200 ml Shaoxing-Reiswein
6 cm Ingwer, geschält, in Scheiben geschnitten
4 Knoblauchzehen, geschält, gequetscht
40 g Cassiarinde (ersatzweise Zimt)
15 g getrocknete Mandarinenschale (K: frische Schale)
1 1/2 TL Sichuan-Pfeffer
8 Stück Sternanis
100 g brauner Zucker

Gurkensalsa:
1 große Feldgurke, geschält, in zentimetergroße Würferl geschnitten
6 - 10 Radieschen, in kleine Würferl geschnitten
1 kleine, rote Zwiebel, fein gehackt
1/2 Bund Koriander, gehackt
1 EL brauner Zucker
4 EL Reisessig
2 TL Olivenöl
1/2 TL Salz

Erdnuss-Sauce:
100 g geröstete, gesalzene Erdnüsse
15 g Sesam, geröstet
1 rote Chilischote, entkernt, grob gehackt
3 Sardellenfilets, abgetropft, grob gehackt
2 EL Olivenöl
1 1/2 EL Zitronensaft
1/2 Bund Koriander, Blätter und Stiele, grob gehackt
3 EL Kokosmilch

Die sogenannte Meistersauce ist essenziell in der chinesischen Küche. Es gibt angeblich Familien, bei denen jahrelang dieselbe Grundsauce in Gebrauch ist. Es wird immer wieder Fleisch darin gekocht, fehlende Flüssigkeitsmengen werden durch Zugabe von Sojasauce, Reiswein und Wasser ausgeglichen. Meine übrig gebliebene Meistersauce hab ich jetzt mal eingefroren, mal sehen, ob ich sie immer wieder verwenden werde.
Alle Zutaten für die Meistersauce in einem großen Topf aufkochen, dann bei mittlerer Hitze etwa eine halbe Stunde köcheln lassen. Das Rückgrat der Stubenküken herausschneiden, von den Flügerln das oberste Glied wegschneiden. Die Stubenküken mit der Haut nach oben in die Sauce legen (Rückgrat und Flügelspitzen ebenfalls dazugeben). Dafür sorgen, dass die Küken vollständig mit Sauce bedeckt sind (mit Backpapier abdecken und mit einem Teller beschweren). Eine halbe Stunde bei mittlerer Hitze köcheln. Die Küken herausnehmen. Die Sauce abkühlen lassen, dann die Küken wieder hineinlegen und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag für die Gurkensalsa Essig und Zucker verrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die anderen Zutaten dazugeben, alles gut verrühren und mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

Alle Zutaten für die Erdnuss-Sauce im Mixer mittelfein pürieren. Mit Zitronensaft und Salz abschmecken.

Die Stubenküken aus der Sauce nehmen und etwa eine halbe Stunde Zimmertemperatur annehmen lassen. Die Meistersauce durch ein Sieb gießen. Das Backrohr auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Einen Bräter mit Backpapier auskleiden. 250 Milliliter der Sauce in den Bräter leeren, die Stubenküken hineinlegen. 20 Minuten im Ofen braten, dabei immer wieder mit der Sauce übergießen. Aus dem Ofen nehmen. Die Sauce in einen kleinen Topf gießen. Aufkochen, reduzierend einkochen, dann mit kalter Butter montieren. Den Ofen auf Grill umschalten. Die Küken wieder ins Backrohr geben und (unter Aufsicht!) noch etwa fünf Minuten übergrillen.

Die fruchtig-frische Gurkensalsa, die scharfe Erdnuss-Sauce und das knusprige Hühnchen: Ein feines Wohlfühl-Rezept, genau richtig für kommende kalte Tage.

Und zum Ende eines - aus den verschiedensten Gründen - nicht gerade guten Jahres will ich euch noch ein Foto von Xenophora pallidula zeigen:
Charakteristikum dieser Meeresschnecke ist, dass keine wie die andere aussieht (drum sammle ich sie auch). Sie heftet sich Steine, leere Schalen, Hölzchen und andere Gegenstände vom Meeresboden an ihrem Gehäuse fest und wird dadurch immer interessanter und schöner - ein sympathisches Gegenkonzept der Natur zur grassierenden Xenophobie ...

Ein gutes neues Jahr wünsche ich allen. Ich möchte so gerne, dass 2016 etwas ruhiger, friedlicher und freundlicher als 2015 wird!






Dienstag, 14. Juli 2015

KURZE ABKÜHLUNG ZUM VIERTEN ...

Nach scheinbar endlos vielen Tagen mit Sonnenschein und Hitze war gestern der erste kühlere, regnerische Tag. Und was soll ich sagen? Ich fand es sehr angenehm. Man atmet richtig auf. Auch unser Garten braucht schon dringend eine kleinere Regenperiode, alles lässt die Blätter hängen, wir kommen mit dem Gießen kaum nach.

Ich habe mich jetzt tagelang nach der Arbeit und auch am Wochenende großteils draußen, genauer gesagt im Schwimmbecken aufgehalten. Kochen und Haushalt sind dabei etwas zu kurz gekommen. Daher hat es mir gestern richtig gut gefallen, wieder mal in der Küche zu stehen und zu kochen, statt nur schnell einen Salat zusammenzubasteln. Und morgen soll das Wetter ja schon wieder besser werden ...



Huhn mit Chicorée
für 2 hungrige Esser

2 EL Olivenöl
100 g durchwachsener Speck, in kleine Würferl geschnitten
2 Hühnerhaxerl, 1 Hühnerbrust
Salz, Pfeffer
30 g Butter
3 große Chicorée, längs halbiert
3 Knoblauchzehen, halbiert
4 Zweigerl frischer Thymian
4 TL Zucker
125 ml Weißwein
Saft einer halben Zitrone
100 ml Schlagobers
3 EL frischgehackte Petersilie

Das Backrohr auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Das Olivenöl in einem schweren Topf erhitzen. Die Speckwürferl darin auslassen, bis sie knusprig sind, etwa zwei bis drei Minuten. Herausgeben und auf einen Teller legen. Jetzt die Hühnerstücke im Topf braten, bis sie rundherum schön braun sind. Herausnehmen, ebenfalls auf einen Teller legen, salzen und pfeffern.

Butter in den heißen Topf geben, die Chicoréehälften mit der Schnittfläche nach unten einlegen und braten, bis sie auf der Unterseite gebräunt sind, ebenfalls etwa drei Minuten (sowohl die Hühnerstücke als auch den Chicorée haben wir aus Platzgründen in zwei Tranchen angebraten).

Knoblauchhälften und Thymianzweigerl darauf verteilen. Zucker drüberstreuen, ebenso eine kräftige Prise Salz und Pfeffer. Die angebratenen Hühnerstücke auf die Chicoréehälften legen. Speckwürferl darauf verteilen, ebenso sämtlichen Bratensaft, der sich auf den Tellern gebildet hat, sowie Weißwein und Zitronensaft. Aufkochen lassen, dann den Deckel auflegen und den Topf ins Backrohr stellen. Etwa eine dreiviertel Stunde schmoren. Dann den Deckel abnehmen und für eine weitere Viertelstunde braten, bis die Hühnerstücke schön knusprig sind.

Topf aus dem Ofen heben, Hühnerstücke kurz herausnehmen, das Schlagobers sowie die gehackte Petersilie einrühren und abschmecken. Hühnerstücke wieder reinlegen und noch kurz, für ein paar Minuten in den Ofen stellen, bis wieder alles schön heiß ist.

Mit Weißbrot servieren. Es hat hervorragend geschmeckt: Das Safterl, das sich gebildet hat, schmeckte wunderbar rund und aromatisch, lediglich der Chicorée könnte unserer  Meinung nach ruhig ein bisschen bitterer sein - vielleicht probier ich das Gericht im Herbst mal mit Radicchio Tardivo, der ist ja deutlich bitterer.

Übrigens: Vorgestern ist mein Blog vier Jahre alt geworden - ich hätte vor vier Jahren nie gedacht, dass ich so lange durchhalte!

Quelle: Lucas Hollweg, Good Things to Eat