Dienstag, 29. November 2011

WIEN AM MEER



Drei Tage Auszeit von Nebel und Kälte. Ziemlich spontan ein Hotel in Triest gesucht. Ein sehr schönes, kleines Hotel, wie sich dort herausgestellt hat. Mit feinem Frühstück, worauf ich besonderen Wert lege. Die Fahrt frühmorgens hat in einer dicken Nebelsuppe mit Raureif begonnen. In Oberitalien aber haben uns Sonnenschein und Temperaturen um 15 Grad erwartet. Was Küchenschabe und Mitkoch gleich viel fröhlicher stimmt.

Auf dem Bild oben sieht man den Molo Audace. Der breite Kai wird von Triestinern und Touristen gleichermaßen als Flaniermeile genutzt. Es hat einen ganz eigenen Zauber, am späten Nachmittag bei Sonnenuntergang dort bis ganz aufs Meer hinaus zu spazieren und zurück auf die riesige Piazza dell'Unità d'Italia mit ihren monumentalen klassizistischen Bauten zu schauen. Der Platz hat so gar nichts Mediterranes an sich und ist vielleicht gerade deswegen so faszinierend. Man sollte auch nicht versäumen, nächtens zur Piazza zu gehen: In die Pflastersteine sind kleine blaue Lichter eingelassen – von weitem könnte man glauben, einen Ufo-Landeplatz vor sich zu haben!

Zum Mittagessen sind wir schon im Al Grop in Tavagnacco mit Blecs in Tazzelenghe und feiner Salsicce mit gegrilltem Radicchio trevisano, dazu einen Pignolo 1999 von La Viarte (Hochzeitstag!).



Am Abend ein Spaziergang durch Triest samt Pizza und Hauswein in unserer Lieblingspizzeria. Am nächsten Tag Aperol am Canal Grande in der Sonne, der Pflichtbesuch im Cafe San Marco (dicke, heiße Schokolade). Ich mag dieses Cafe am liebsten von allen in der Stadt. Jugendstil, riesige Räume, viel Platz, dunkle Möbel. Keine aufdringlichen Kellner, die alle fünf Minuten fragen, ob man noch was bestellen möchte.

Die Heimreise hat uns abseits der Autobahn quer durch die wunderschöne Landschaft des Friaul geführt. Auch schon deshalb, weil wir ja noch einen Wein-Wintervorrat einkaufen mussten. Und Mittagessen. Und zwar in der kleinen Trattoria Alla Terrazza in Bordano-Interneppo. Dieses Nest liegt direkt am Lago dei Tre Communi, über den jeder Friaulreisende fährt, der auf der Autobahn durchs Kanaltal kommt. Bordano, und auch auch der Ortsteil Interneppo wurden vom Erdbeben 1976 schwer gezeichnet. Bekannt wurde das Dorf unter anderem durch die zahlreichen Schmetterlinge, die es in der Gegend gibt. Sie sind längst ein Wahrzeichen des Ortes. Zahlreiche Hausfassaden wurden von Künstlern aus aller Welt und den Dorfbewohnern mit Schmetterlingen bemalt. Das Schmetterlingshaus in Bordano beherbergt zahlreiche exotische Schmetterlinge (Leider hat es von Oktober bis März geschlossen).

Der Restauranttipp kam vom Fiedler aus dem Standard. Die Vorspeisen (Ein Tris von Nudeln mit Trevisano und Salsicce, mit Kaninchenragout und mit Tomaten und Peperonicini) waren fein, die Hauptspeisen ganz gut, aber nicht weiter aufregend.

Montag, 28. November 2011

STICKY RICE WITH MANGO


Matzes lebendige Berichte aus Bangkok haben mich dran erinnert, dass ich endlich wieder mal Sticky Rice with Mango zubereiten könnte. Die Grundlage für dieses Rezept ist süßer Klebreis, die berühmteste Kombination ist eben die mit Mango. Das ist sicher das beliebteste Thai-Dessert, auf dessen Zubereitung große Sorgfalt verwendet wird. Die Mengen an Zucker und Kokosmilch (oder Kokoscreme) variieren in den Rezepten. Jetzt gibt es gerade die richtigen Mangos für diese Süßspeise zu kaufen.

Jahrelang habe ich die Begeisterung vieler Freunde nicht verstanden, wenn es um Mangos ging. Diese rot-grünen, harten Dinger, die es überall gab, habe ich einmal probiert und dann dankend verzichtet. Was an diesen, nach Terpentin schmeckenden Früchten gut sein sollte, hab ich nicht verstanden. Und andere Sorten gab´s hier nicht. Deshalb hab ich ganz heimlich vermutet, dass man von Mangos eben begeistert zu sein hatte, weil allein schon der Name Exotik und Geschmack versprach.

Das Mango-Thema war also abgehakt, bis ich zum ersten Mal gelbe, ovale Mangos beim Obststand entdeckte. Die Sorte heißt Nam Dok Mai und kommt aus Thailand. Nun hab ich die Begeisterung verstanden. Sie schmeckt süß, aromatisch und ist überhaupt nicht faserig (Noch besser als die Nam Dok Mai schmeckt mir nur die Alphonso, die hab ich ein einziges Mal in einem indischen Lebensmittelgeschäft bekommen).



Sticky Rice with Mango würde ich gerne mal in Bangkok essen, da muss aber der Mitkoch noch ein bisschen bearbeitet werden. Inzwischen, nach einigen Versuchen und Recherchen im Internet, bereite ich den Reis so zu, wie er  – unserer Erinnerung nach – in London in einem Thai-Restaurant geschmeckt hat. Klebreis (glutinous rice) ist in Asia-Läden erhältlich.

Klebreis mit Mango
für 2 Personen

120 g Klebreis
200 ml Kokosmilch
45 ml Kokoscreme:
wenn man eine Dose mit Kokosmilch vorsichtig öffnet, kann man oben die Creme abschöpfen
4 EL weißer Zucker
1/4 TL Salz
2 reife Mangos (Nam Dok Mai)



Den Reis mit kaltem Wasser waschen, bis das Wasser klar ist. Dann in kaltem Wasser über Nacht (mindestens 12 Stunden) einweichen. Abseihen. In ein Tuch (Käsetuch) geben und in einem Topf im  Dämpfeinsatz 25 Minuten dämpfen. Kokosmilch mit Zucker erwärmen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Aufkochen, und sofort, wenn die Mischung zu kochen beginnt, vom Herd nehmen und etwas auskühlen lassen. Den gekochten Reis in eine Schüssel geben und die gekochte Kokosmilch unterrühren. 20 Minuten rasten lassen. Dann hat der Reis die gesamte Kokosmilch aufgesogen. Den Reis auf einem Dessertteller mit Mangostückchen anrichten. Etwas Kokoscreme auf dem Reis verteilen, eventuell mit gehackten Nüssen dekorieren.

Donnerstag, 24. November 2011

BIER VON KÖNIG BANSAH

© diekuechenschabe.blogspot.com_2011


Ein afrikanisches Curry. Danach hatte ich gesucht. Denn das Abendessen sollte etwas ganz Besonderes werden. Und es sollte zur Überraschung passen, die ich für den Mitkoch bestellt hatte. Der trinkt ab und zu gerne Bier. Auch etwas abseits des Mainstreams. Über Umwege war ich auf die Website von König Bansah gelangt. König Bansah verkauft dort unter anderem Bier, das in Ghana für ihn gebraut wird. Es nennt sich Akosombo, nach dem großen Staudamm, der den Volta-Stausee aufstaut. Er liegt im Hoheitsgebiet der Hohoe.

Céphas Bansah ist König der Hohoe, einer Gruppe im Stamm der Ewe im Osten Ghanas. Zum König bestimmt wurde er 1987,  da er Rechtshänder ist. Sein Vater und sein Bruder sind Linkshänder und die linke Hand gilt beim Volk der Ewe als unrein.

Die überraschende Berufung zum König erreichte ihn in Ludwigshafen. Céphas Bansah ist dort Automechaniker und hat eine eigene Werkstatt. Er kehrte allerdings nicht nach Ghana zurück, sondern verwaltet die Hohoe in seiner Freizeit per Telefon, Fax und Mail. Einige Male im Jahr reist er nach Afrika. Mit dem Erlös aus dem Bierverkauf werden Hilfsprojekte im Königreich Hohoe unterstützt, zum Beispiel Krankenhäuser und Schulen. Gebraut wird das köstliche, dunkel-bernsteinfarbige und feinhopfige Lager in Ghana, bestellt habe ich es hier.

Das von mir leicht abgewandelte Curryrezept aus dem Kochbuch von Madhur Jaffrey kommt aus Kenia. Das liegt zwar nicht unbedingt in der Nähe von Ghana, aber immerhin am selben Kontinent.

Dhania Chicken (Korianderhuhn)
für 2 Personen

7 cm Ingwerwurzel, grob gehackt
5 große Knoblauchzehen, grob gehackt
2 TL Salz
3 TL Zitronensaft
1 Hühnerbrust, enthäutet und kleingeschnitten
1 große Tomate, grob gehackt
50 g Koriandergrün
2 Habanero-Chilis
1 EL Tomatenmark
Erdnussöl
200 ml griechisches Joghurt, leicht aufgeschlagen
200 ml Hühnersuppe
3 EL Fischsauce

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Ingwer, Knoblauch, einen Teelöffel Salz und Zitronensaft mit zwei Esslöffeln Wasser zu einer glatten Paste pürieren und die Hühnerteile damit einreiben. Eine halbe Stunde ziehen lassen. In den bereits benutzten Pürierbecher die Tomate, den Koriander, Chilis, Tomatenmark, einen Teelöffel Salz und zwei Esslöffel Wasser geben und alles glatt pürieren. Das Öl in einer große Kasserolle oder einem Wok erhitzen und die Hühnchenteile samt der Marinade hineingeben. Unter Rühren etwa zehn Minuten anbraten, bis das Fleisch rundherum leicht gebräunt ist. Nun die Tomaten-Koriander-Mischung sowie Fischsauce und Suppe hinzufügen und unter Rühren weitere zehn Minuten kochen. Joghurt einrühren und noch mal fünf Minuten kochen. Jetzt den Deckel auflegen und fünf Minuten bei möglichst niedriger Temperatur garen. Dazu passt Reis und Akosombo-Bier.

Nachtrag Februar 2014: Hier gibts neues vom König!

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Dienstag, 22. November 2011

ÖSTERREICHISCH-DEUTSCHE KONTAKTE: DIE FORTSETZUNG



Wenn beim Nachhausekommen ein Päckchen auf der Hausbank liegt, und der Absender Petra Holzapfel heißt, ist die Freude groß und die Neugierde sofort geweckt. Da muss auch Kater Moritz auf die sonst übliche, ausgiebige Begrüßung verzichten. Und die restliche Post bleibt erst mal unbeachtet.

Im August hatte ich Petra ­ von Chili-und-Cibatta als Dank für ihre Hilfe beim Suchen eines Rezeptes für Aroniagelee ­ ein Gläschen des Gelees geschickt. Sie hat mir daraufhin ein Päckchen Backmalz versprochen. Weit mehr als das Backmalz habe ich nun im Päckchen gefunden.  Meine Schätze sind: Backmalz, Mineola-Aperol-Gelee, Feigenchutney und Papaya-Chili-Konfitüre. Wie man sehen kann, hat es das Mineola-Aperol-Gelee nicht geschafft, ungeöffnet aufs Foto zu kommen, zu groß war die Neugierde. Es hat so gut geschmeckt, dass der Mitkoch und ich gleich das halbe Glas ausgelöffelt haben.

Die beiden Chutneys müssen noch ein bisschen warten: Manchmal braucht man eine kleine Auszeit, und wir fahren übers Wochenende nach Triest. Dort kaufen wir auch feinen Käse ein, und der wird dann zusammen mit den Chutneys verkostet ... vielen Dank, Petra!